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Über die Haushaltslage, die Ergebnisse der Bildungs- und Kultureinrichtungen, die parlamentarische Interessenvertretung und die Lehren aus dem Wahlkampf beriet die Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) bei ihrer Sitzung am 26. September in Budapest. Die Tagesordnung zeichnete das Bild eines stabil funktionierenden institutionellen Netzwerks, das zugleich bereits die Aufgaben der kommenden Jahre in den Blick nimmt.
Zu Beginn der Sitzung gedachten die Mitglieder der Vollversammlung in einer Schweigeminute des kürzlich verstorbenen Georg Krix (1928–2026). Der mit der Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum ausgezeichnete langjährige Vorsitzende und spätere Ehrenvorsitzende der Jakob Bleyer Gemeinschaft hatte 1993 das Sonntagsblatt neu gegründet und war über Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit des ungarndeutschen öffentlichen Lebens.
Die LdU und ihre Einrichtungen schlossen das erste Halbjahr 2026 in einer stabilen finanziellen Lage ab. Bis Ende Juni beliefen sich die Einnahmen des zentralen Haushalts auf 6,61 Milliarden, die Ausgaben auf 6,16 Milliarden Forint. Die Geschäftsstelle hatte in den ersten sechs Monaten 43,76 Prozent der für das gesamte Jahr veranschlagten Ausgaben in Anspruch genommen; auch bei den Einrichtungen verlief die Haushaltsführung insgesamt planmäßig. Die Vollversammlung modifizierte den Haushalt 2026 zum dritten Mal: Das Gesamtvolumen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite erhöhte sich um 79,678 Millionen auf 13,865 Milliarden Forint. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Mittel kommt Bildungseinrichtungen zugute. So erhielt das Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen neben zusätzlichen Fördermitteln in Höhe von 7,5 Millionen Forint über Erasmus+ rund 27,4 Millionen Forint für die Mobilität von Schülern und Pädagogen sowie für Fachprogramme.
Der Vollversammlung wurden auch die Jahresberichte der vollständig beziehungsweise teilweise von der LdU getragenen Bildungseinrichtungen vorgelegt. Insgesamt lernen dort mehrere Tausend Kinder und Jugendliche. Die Vermittlung der deutschen Sprache auf hohem Niveau wird überall durch die Weitergabe ungarndeutscher Kultur und Identität ergänzt – durch Volkskunde, Traditionspflege, Theater und Volkstanz, Austauschprogramme sowie internationale Projekte.
Am Friedrich-Schiller-Gymnasium und Schülerwohnheim in Werischwar legten 88 der insgesamt 490 Schülerinnen und Schüler das Abitur ab. Von den 66 Teilnehmern an der DSD-II-Prüfung erreichten 58 das Niveau C1 und acht das Niveau B2 – damit waren alle Prüflinge erfolgreich.
Im Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen besuchten 810 Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Schulstufen, weitere 198 Kinder die beiden Kindergärten; das Schülerwohnheim bot 103 Jugendlichen ein Zuhause. Auch hier wurden bei der DSD-II-Prüfung 58 C1- und acht B2-Diplome erworben. Von den 71 Absolventen bewarben sich 59 um einen Studienplatz, 51 wurden an einer Universität zugelassen – darunter auch an Hochschulen in Deutschland und Österreich. Darüber hinaus übernimmt die Einrichtung eine wichtige Rolle in der Lehrerausbildung: Studierende der Universität Fünfkirchen absolvieren hier sowohl individuelle als auch Gruppenpraktika.
Am Deutschen Nationalitätengymnasium und Schülerwohnheim in Budapest erzielten die 38 Absolventinnen und Absolventen bei den Abiturprüfungen einen Gesamtnotendurchschnitt von 4,46; im Fach Deutsche Sprache und Literatur lag das Ergebnis der Abiturprüfung auf mittlerem Niveau bei durchschnittlich 88 Prozent. 80 Prozent der Schulabgänger erhielten einen Studienplatz. Zudem richtete die Schule eine „Schwabenstube“ ein, in der Gegenstände, Fotografien und Familienerinnerungen – teilweise von den Schülerinnen und Schülern selbst gesammelt – Einblicke in die traditionelle Lebenswelt der Ungarndeutschen geben.
Im Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baje lernten vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung mehr als 1300 Kinder und Jugendliche. Die Vermittlung der ungarndeutschen Sprache, Kultur und Identität spielt in allen Altersgruppen eine zentrale Rolle: Die Schülerinnen und Schüler beteiligten sich unter anderem an Dorf-, Literatur- und Kulturprojekten, an landesweiten Nationalitätenwettbewerben sowie an Austauschprogrammen mit Deutschland.
Die Audi Hungaria Schule in Raab zählt neben 675 Schülerinnen und Schülern auch 163 Kindergartenkinder. Alle 45 Absolventinnen und Absolventen bestanden erfolgreich das deutsch-ungarische Doppelabitur und erreichten dabei nach dem deutschen Bewertungssystem einen Jahrgangsdurchschnitt von 1,92.
Auch die Berichte der Kultureinrichtungen belegen eine starke landesweite Präsenz. Die Deutsche Bühne Ungarn brachte 2025 sechs neue Produktionen heraus, behielt elf weitere Stücke im Repertoire und erreichte mit insgesamt 204 Vorstellungen 13.563 Zuschauer. 129 davon waren Gastspiele an verschiedenen Orten in Ungarn und in Deutschland – fast zwei Drittel aller Vorstellungen fanden somit außerhalb von Seksard statt. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf stiegen um 32,78 Prozent. In der kommenden Zeit will das Theater seine Präsenz in Budapest und Fünfkirchen weiter ausbauen und zugleich längerfristige Kooperationen in Raab und Kecskemét aufbauen. Für die neue Spielzeit ist außerdem eine dokumentarische Produktion geplant, die ausdrücklich in einem ungarndeutschen Kontext entsteht.
Beim Blickpunkt-Fotowettbewerb des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek (Zentrum) gingen 220 historische Aufnahmen, Fotografien und Postkarten ein; zum TrachtTag wurden mehr als tausend Fotos sowie zahlreiche Videos eingesandt. Die Einrichtung organisierte 13 Veranstaltungen im Haus der Ungarndeutschen, setzte ihre Programme zur Förderung des deutschsprachigen Amateurtheaters fort und widmete sich bei der zweiten Otto-Heinek-Konferenz in zwölf Vorträgen neuen Forschungsergebnissen zur Geschichte und Gegenwart der Ungarndeutschen.
Der Parlamentssprecher der Ungarndeutschen, Gregor Gallai, berichtete über seine Arbeit seit Anfang Juli. Der Ausschuss der Nationalitäten in Ungarn trat während der Sommermonate zu sechs Sitzungen zusammen und befasste sich mit mehreren Gesetzesänderungen, die die Nationalitätengemeinschaften unmittelbar betreffen. Ein Schwerpunkt des Berichts war die Finanzierung des institutionellen Netzwerks: Bei der Änderung des Staatshaushalts 2026 blieben die Förderrahmen für die 13 anerkannten autochthonen Nationalitäten unverändert. Eine wichtige Aufgabe der kommenden Monate wird bereits die Vorbereitung des Haushalts 2027 sein. Auch auf internationaler Ebene gab es neue Entwicklungen: Gregor Gallai traf in der Deutschen Botschaft in Budapest Bundesaußenminister Johann Wadephul zu einem Gespräch über die Situation der Ungarndeutschen, ihr institutionelles Netzwerk, das Bildungswesen und die deutsch-ungarischen Beziehungen.
Bei der Vollversammlung wurden auch die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Fragebogenumfrage zum Parlamentswahlkampf 2026 mit 439 Teilnehmenden vorgestellt. Positiv bewertet wurden vor allem Glaubwürdigkeit, persönliche Präsenz und offene Kommunikation, Kritik gab es insbesondere am späten Kampagnenstart und an der Organisation. Als zentrale Konsequenz soll die politische Kommunikation künftig kontinuierlich über die gesamte Wahlperiode hinweg erfolgen und durch eine stärkere lokale Präsenz ergänzt werden.
LdU-Presse
Fotos: Angelika Erdélyi-Pfiszterer, Zentrum.hu





