HauptnachrichtEin gutes Spiel ist kein Selbstzweck

Ein gutes Spiel ist kein Selbstzweck

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Ungarndeutsche Inhalte lebendig und zeitgemäß vermitteln

„Ein gutes Spiel ist kein Selbstzweck.“ Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch den diesjährigen Pädagogischen Naschmarkt, der am 27. August 2026 vom Ungarndeutschen Pädagogischen und Methodischen Zentrum (UMZ) in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Budapest online veranstaltet wurde. Mehr als fünfzig Kindergärtnerinnen und LehrerInnen nahmen an der traditionellen Fortbildung teil, um kurz vor Beginn des neuen Bildungsjahres neue Ideen, praxisnahe Methoden und fachliche Impulse für ihre Arbeit mitzunehmen. 

Der Pädagogische Naschmarkt verfolgt seit Jahren ein klares Ziel: PädagogInnen der ungarndeutschen Bildungsinstitutionen zu unterstützen und ihnen Anregungen für einen modernen, identitätsstärkenden Unterricht zu geben. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung der deutschen Sprache, sondern auch um die Frage, wie Kultur, Traditionen, Werte und das Gemeinschaftsgefühl der Ungarndeutschen für Kinder und Jugendliche erfahrbar gemacht werden können. 

Wie bereits in den vergangenen Jahren richtete die Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Ibolya Hock-Englender, ihre Grüße und Gedanken zum Schuljahresanfang an die Teilnehmenden. Da sie sich auf einer offiziellen Reise in Deutschland befand, wurden ihre Worte von Josef Weigert, dem Institutsleiter des UMZ, übermittelt. Auch Claudia Schmitz, Leiterin der Spracharbeit und stellvertretende Institutsleiterin des Goethe-Instituts Budapest, begrüßte die Anwesenden.

Das Programm spiegelte eindrucksvoll wider, wie vielfältig die pädagogische Arbeit in den ungarndeutschen Einrichtungen geworden ist. Im Kindergartenbereich zeigte Teréz Radvai anhand zahlreicher Beispiele, wie Sprachförderung, Spiel und Tradition miteinander verbunden werden können. Im Mittelpunkt standen handlungsorientierte Aktivitäten, bei denen Kinder Sprache nicht isoliert lernen, sondern in authentischen Situationen erleben und anwenden. Dabei wird deutlich: Traditionen bleiben nur dann lebendig, wenn sie mit Freude, Bewegung und aktiver Beteiligung verbunden sind. 

Besonders großes Interesse fand auch der Workshop von Tamara Nagy-Takács zum Thema „Zwischen Tradition und Spiel“. Die Referentin stellte Offline-Spiele für den deutschen Nationalitätenunterricht vor, die Inhalte wie Brauchtum, Ortsgeschichte, Familienleben, Dialektwörter und kulturelles Erbe der Ungarndeutschen aufgreifen. Die vorgestellten Methoden machten deutlich, dass Spiele weit mehr sind als bloße Beschäftigung: Sie schaffen Sprechanlässe, fördern Kooperation und stärken das Bewusstsein für die eigene Herkunft.

Genau hier gewinnt das Motto „Ein gutes Spiel ist kein Selbstzweck“ seine Bedeutung. Im ungarndeutschen Unterricht steht nicht das Spiel an sich im Vordergrund, sondern dessen pädagogischer Mehrwert. Ein Spiel wird dann wertvoll, wenn es Kindern und Jugendlichen hilft, ihre Wurzeln kennenzulernen, Sprache zu verwenden, Traditionen zu verstehen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Vortrag von Sara Martin, die innovative Möglichkeiten der digitalen Vermittlung von Nationalitäteninhalten vorstellte. Anhand von Beispielen aus dem Kindergarten und der Kinderkrippe „Schlossgarten“ in Nadasch/Mecseknádasd wurde gezeigt, wie digitale Werkzeuge die Beschäftigung mit Volksmärchen, Liedern und Traditionen sinnvoll ergänzen können. Dabei wurde deutlich, dass moderne Medien nicht als Gegensatz zur Tradition verstanden werden müssen. Vielmehr können sie dazu beitragen, kulturelles Erbe zeitgemäß und für Kinder attraktiv aufzubereiten. Darüber hinaus stellte sie die Toniebox vor, die den meisten ungarischen Kindergärtnerinnen bislang noch unbekannt war, und erläuterte neue Spielformen sowie didaktische Methoden. Anhand praktischer Beispiele zeigte sie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieses Gerätsund veranschaulichte, wie beliebt die Arbeit mit der Toniebox bei den Kindern ist.

Dr. Kata-Szilvia Bartalis-Binder, Universitätslehrkraft der Babes-Bolyai-Universität Klausenburg/Kolozsvár, lenkte den Blick auf die Verbindung von Sprache, Emotion, Reflexion und Gemeinschaft. Ihr Ansatz „Denken – Fühlen – Handeln“ verdeutlichte, dass Sprache dort besonders nachhaltig gelernt wird, wo Menschen miteinander kommunizieren, Erfahrungen teilen und gemeinsam handeln. Diese Sichtweise passt hervorragend zu den Zielsetzungen der ungarndeutschen Bildungsarbeit, die seit jeher von Gemeinschaft, Zusammenhalt und gelebter Kultur geprägt ist. 

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden bestätigten den hohen fachlichen Wert der Veranstaltung. Besonders häufig wurden die Praxisnähe der Inhalte und die unmittelbare Anwendbarkeit der vorgestellten Methoden hervorgehoben. So bezeichneten mehrere Teilnehmenden die Workshops als „handlungsorientiert, relevant und voll mit Aufgaben, die sich sehr gut im Unterricht einsetzen lassen“. Andere betonten: „Beide waren sehr gut. Die Referentinnen waren gut vorbereitet.“ Positive Resonanz erhielt auch der Workshop von Tamara Nagy-Takács: „Zwischen Tradition und Spiel – ich habe gute Ideen für den Volkskundeunterricht bekommen.“

Der Pädagogische Naschmarkt 2026 zeigte erneut, dass die ungarndeutsche Bildungsarbeit von kreativen Ideen, engagierten PädagogInnen sowie einem starken Bewusstsein für die Bedeutung der eigenen Kultur lebt. Gerade in einer Zeit, in der Identität und gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wieder neu gestaltet werden müssen, kommt den Bildungsinstitutionen eine besondere Rolle zu. Sie sind Orte, an denen Sprache, Tradition und Gemeinschaft nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam erlebt werden.

Mit zahlreichen neuen Impulsen und viel Motivation starten die TeilnehmerInnen nun in das neue Bildungsjahr. Der Pädagogische Naschmarkt hat damit einmal mehr bewiesen, dass gute Methoden und gute Spiele ihren eigentlichen Wert erst dann entfalten, wenn sie Menschen miteinander verbinden und die ungarndeutsche Kultur für die nächste Generation lebendig halten.

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