HauptnachrichtZwei Seiten der gleichen Medaille

Zwei Seiten der gleichen Medaille

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Eine dreitägige Fachtagung, die sich mit der Zusammenarbeit zwischen den deutschen Minderheiten, den Heimatvertriebenen und den in ihrer Heimat verbliebenen deutschen Gemeinschaften sowie mit Möglichkeiten zur Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes beschäftigte, fand vom 28. bis 30. August 2026 in Frankfurt statt. An der Veranstaltung nahmen Repräsentanten aus Deutschland sowie VertreterInnen deutscher Minderheiten, Jugendorganisationen und Kulturinstitutionen verschiedener mittel- und osteuropäischer Länder teil.

Die TeilnehmerInnen der Konferenz (Foto: Thomas Dapper)

Am ersten Veranstaltungstag wurde nach den Grußworten der Themenbereich Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten der gleichen Medaille behandelt. Im Mittelpunkt standen die Beziehungen zwischen den aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen und den in ihrer Heimat verbliebenen deutschen Gemeinschaften, gemeinsame Anliegen sowie Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit. Zu Beginn hielt Bernard Gaida, ehemaliger Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) in der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN), ehemaliger Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) und zurzeit Beauftragter für internationale Angelegenheiten, einen Impulsvortrag.

Während der dreitägigen Konferenz konnten mehrere Themen behandelt werden (Foto: Anna Schulteisz)

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Benjamin Józsa, Sprecher der AGDM und Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Andreas Hofmeister MdL, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Stepan Rauhut, Kuratoriumsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen sowie Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien e. V., und Rafał Bartek, Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) sowie Präsident des Sejmik der Woiwodschaft Oppeln, teil. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Lilia Antipow-Altrichter, der Leiterin des Bereichs „Öffentlichkeits-, Medien- und Pressearbeit, Bibliothek“ am Haus des Deutschen Ostens in München.

Anna Schulteisz (Foto: Alfred Freistädter)

Am Nachmittag richtete sich der Fokus gezielt auf die Rolle der Jugend bei der Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes. Zur Einführung in das Thema hielten Anna Schulteisz, Präsidentin der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU), sowie Erik Flöter, Vertreter der Sudetendeutschen Jugend, einen Vortrag. Dabei betonten sie die Bedeutung von Traditionen und Bräuchen sowie die Notwendigkeit, diese für junge Menschen persönlicher, greifbarer und in ihrem Alltag erlebbar zu machen, damit sie auch für die kommenden Generationen eine lebendige Bedeutung behalten.

Im Anschluss an die Vorträge fand unter der Moderation von Anna Schulteisz eine Podiumsdiskussion statt. Daran nahmen neben Erik Flöter,  Paulina Widera, Vorsitzende des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit in Polen (BJDM), Klaus Weber, Vertreter der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppe, sowie Peter Harder, Vertreter des Bundes Junges Ostpreußen, teil. Darüber hinaus beteiligte sich Sebastian Arion, Jugendkoordinator der AGDM und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen (ADJ), an der Diskussion.

Nach dem Gespräch zeigte das Publikum großes Interesse an den Perspektiven der jungen Generation. In den Fragen ging es nicht nur allgemein um die Sichtweisen der Jugendlichen, sondern auch um konkrete Ideen und Vorschläge, wie junge Menschen stärker in die Arbeit der deutschen Minderheiten eingebunden und für die Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes gewonnen werden können.

Wissensvermittlung, Museen und neue Medien

Im Mittelpunkt der Fachbeiträge am Samstag standen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die Vernetzung wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen sowie unterschiedliche Formen der Wissensvermittlung. Unter anderem wurde die Rolle von Museen, die Möglichkeiten der Digitalisierung und der Einsatz neuer Medien thematisiert. Besonderes Augenmerk lag auf der Frage, wie Geschichte und kulturelles Erbe der deutschen Minderheiten über traditionelle institutionelle Strukturen hinaus vermittelt und insbesondere für die jüngere Generation zeitgemäß und leicht zugänglich aufbereitet werden können.

Die TeilnehmerInnen brachten auch Flyers mit sich (Foto: Anna Schulteisz)

Die ungarndeutschen Lehrpfade als Best Practice

Im Mittelpunkt des Themenbereichs „Gemeinsam Wissen vermitteln – Verschiedene Wege führen zum Erfolg“ stand die Frage, wie das kulturelle Erbe, die historischen Erfahrungen und das Wissen der deutschen Gemeinschaften auf vielfältige, innovative und erlebnisorientierte Weise an die nächsten Generationen weitergegeben und lebendig gehalten werden können.

Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), stellte dabei die ungarndeutschen Lehrpfade als Best-Practice-Beispiel vor. Sie präsentierte das von der LdU umgesetzte Projekt anhand der dazugehörigen Webseite sowie der für die Lehrpfade entwickelten Stempelhefte. Sie stellte die Besonderheiten und individuellen Schwerpunkte der einzelnen Lehrpfade vor und zeigte, wie diese die Geschichte, Traditionen und lokalen Werte der ungarndeutschen Gemeinschaften in den jeweiligen Ortschaften sichtbar und erlebbar machen. Es wurde deutlich, dass die thematische Wege nicht allgemein die Geschichte der Ungarndeutschen darstellen, sondern jeweils die Besonderheiten und die spezifische Geschichte der einzelnen Ortschaften in den Mittelpunkt stellen. Besonders hervorgehoben wurde auch die Bedeutung der Lehrpfade für die erlebnisorientierte Wissensvermittlung und die aktive Einbindung der jüngeren Generation. Durch die Verbindung von digitalen Angeboten mit analogen Elementen werden historische und kulturelle Inhalte auf zeitgemäße Weise vermittelt. Die Stempelhefte konnten von den ZuhörerInnen auch aus nächster Nähe betrachtet werden, da sie ihnen in gedruckter Form zur Verfügung gestellt wurden. So konnten die Interessierten nicht nur einen Einblick in das Projekt gewinnen, sondern auch ein konkretes und greifbares Beispiel der ungarndeutschen Lehrpfade mit nach Hause nehmen.

Anna Schulteisz, Ibolya Hock-Englender, Alfred Freistädter

Neben der LdU-Chefin präsentierten Gustav Binder von der Bildungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bayern, Albina Nazarenus-Vetter von der Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland (IDRH), Michael Anger, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Gesellschaft, sowie Arnold Piklaps, Vorsitzender des Vereins der Deutschen in Klaipėda / Simon-Dach-Haus, ihre jeweiligen Projekte und Erfahrungen.

An der Konferenz nahm auch Alfred Freistädter, stellvertretender Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU), teil. Seine Anwesenheit unterstrich die Bedeutung der Verbindung zwischen den in Ungarn lebenden Ungarndeutschen und den aus Ungarn nach Deutschland vertriebenen Deutschen. Die historischen und aktuellen Belange der Ungarndeutschen bilden eine wichtige gemeinsame Grundlage. Von besonderer Bedeutung ist es, sowohl für die heute in unserem Land lebende ungarndeutsche Gemeinschaft als auch für die aus Ungarn nach Deutschland vertriebenen Deutschen gemeinsam aufzutreten und die gemeinsamen kulturellen Werte und das historische Erbe zu bewahren und weiterzugeben. Das gemeinsame Auftreten und der Austausch im Rahmen dieser wichtigen Fachtagung boten daher eine wertvolle Gelegenheit, bestehende Verbindungen zu stärken und neue Impulse für die zukünftige Zusammenarbeit zu gewinnen. 

Im Rahmen des Abschlussprogramms am Sonntag wurden die Ergebnisse der Tagung zusammengefasst und die Möglichkeiten für zukünftige Zusammenarbeit, Vernetzung, Koordination und aktive Mitwirkung diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass der Austausch zwischen den deutschen Minderheiten, Vertriebenenorganisationen und Jugendverbänden eine wichtige Grundlage dafür bildet, das gemeinsame kulturelle Erbe auch in Zukunft lebendig zu halten und erfolgreich an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Anna Schulteisz

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