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Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) hat eine neue Initiative für Wanderbegeisterte und alle, die sich für das Nationalitätenerbe interessieren, ins Leben gerufen: Es ist ein kostenloses Stempelheft erschienen, das die 18 ungarndeutschen Lehrpfade vorstellt. Wer die thematischen Wege, die Geschichte, Kultur, Sprache und Traditionen der jeweiligen örtlichen ungarndeutschen Gemeinschaft – bzw. im Falle des Lehrpfads in Baje die der ganzen ungarndeutschen Gemeinschaft – präsentieren, begeht, kann an jeder Station einen Stempel sammeln – und wer mindestens zehn Stempel zusammenhat, darf sich über eine kleine Belohnung freuen.
Die ungarndeutschen Lehrpfade wurden in den letzten Jahren auf Initiative und mit Unterstützung der LdU sowie durch das Engagement der örtlichen deutschen Gemeinschaften an verschiedenen Orten im Land errichtet. Ziel ist es, lokale deutsche Erinnerungsstätten, kulturelle Werte und Traditionen sichtbar zu machen. Nun begleitet ein landesweites Spiel das Entdecken dieser Wege: Das neue kostenlose Stempelheft enthält zu jedem Lehrpfad eine kurze Beschreibung, ein Bild, eine Karte sowie Platz für den jeweiligen Stempel.
Das Heft ist bei den deutschen Selbstverwaltungen der Lehrpfad- Ortschaften erhältlich, steht aber auch zum Download bereit. Ziel der LdU ist es, die ungarndeutschen Gemeinschaften, Freundeskreise, Familien und Schulklassen anzusprechen und auf das vielfältige Erbe der deutschen Nationalität in Ungarn aufmerksam zu machen.
Wer mindestens zehn verschiedene Lehrpfade besucht und dort die Stempel gesammelt hat, erhält von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ein Geschenk. Die Details des Gewinnspiels sind im Heft enthalten, das auch auf der offiziellen Webseite der Lehrpfade – www.lehrpfad.hu – heruntergeladen werden kann. Die Initiative wird zudem von einer Online-Kampagne begleitet: Unter den Hashtags #ungarndeutscheLehrpfade, #18StempelAbenteuer, #sammleStempel und #18PecsétKaland können Teilnehmende ihre Erlebnisse und Fotos teilen und andere zu neuen Wanderungen inspirieren.
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Schwäbische Schicksale in Kleidungsstücken im Ethnografischen Museum Budapest
Welche Geschichten tragen unsere Kleider in sich? Können sie wohl die Geheimnisse der Vergangenheit enthüllen und das Schicksal von Einzelnen, Familien und Volksgruppen sichtbar machen? Die Gastausstellung des Ethnografischen Museums, vermittelt vom Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, entfaltet an einer Reihe prachtvoller Trachten die freudigen wie traumatischen Erlebnisse donauschwäbischer Mädchen und Frauen. Die Ausstellung ist vom 6. Juni 2025 bis zum 25. Januar 2026 zu sehen.
„Es ist Frühling, und die dreizehnjährige Elisabeth ist voller Vorfreude: Sie bereitet sich auf ihren ersten Ball vor. Ihre Mutter legt größte Sorgfalt darauf, sie perfekt anzukleiden. Das weiße Hemd ziert eine gestickte Blume sowie Elisabeths Monogramm. Der weite Rock schimmert schon von Weitem. Dass die Mädchen so farbenprächtige Kleider tragen, ist einem guten Jahrzehnt ungarischen Kultureinflusses zu verdanken – eine Neuerung im Dorf. Wahrscheinlich hat die Familie Kremer den Stoff schon Jahre zuvor gekauft: Im benachbarten Jink gab es zwei größere Geschäfte. Die jüdischen Besitzer verkauften außerordentlich hochwertige und modische Stoffe – darunter genau die für den ersten Ball geeigneten. Für Elisabeth schien aber dieser Ball zugleich der letzte zu sein: Im August 1947 wurde ihre Familie aus Ungarn vertrieben“, liest man im Ausstellungstext zu einem Ballkleid aus Sagetal. Eine von vielen persönlichen Geschichten…
Vernissage am 5. Juni
Kleidung ist ein sichtbarer Teil unserer Persönlichkeit: Sie zeigt, wer wir sind, wer wir sein wollen – oder eben wer wir sein müssen. Bevor Kleidungsstücke in Massenproduktion gefertigt wurden, war jedes Einzelstück maßgeschneidert für eine bestimmte Person. Trachten verrieten nicht nur etwas über Status, Alter, gesellschaftliche Lage oder Vermögensverhältnisse, Konfession oder ethnische Herkunft, sondern auch, für welchen Anlass oder welches Fest sie bestimmt waren. Mit der Zeit haben diese Gewänder unzählige Erinnerungen aufgenommen: Versprechen von Glück, von Verlust und Trauer, von Angst, Schmerz und der Hoffnung auf einen Neubeginn.
Grußwort sprach Dr. Lajos Kemecsi, Generaldirektor des Ethnographischen MuseumsMáté Vincze, stellvertretender Staatssekretär für öffentliche Sammlungen und kulturelle Entwicklungen, begrüßte die AnwesendenTamás Szalay, Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums in UlmDie Ausstellung eröffnete Ibolya Hock-Englender, die Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Die Gastausstellung des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm (DZM) erzählt am Beispiel von zwanzig Trachten aus der Zeit von 1880 bis 1980 das Schicksal donauschwäbischer Mädchen und Frauen. Zu sehen sind auch einzigartige Kunstwerke wie die Aquarelle der in Wien geborenen Malerin Erna Piffl (1904–1987) über Trachten aus ungarndeutschen Dörfern.
Die Ausstellung widmet sich zwei Fragestellungen: Wie haben Frauen ihre Kleidung gestaltet – und wie hat die Kleidung die Frauen geprägt? Anhand festlicher Trachten und der Lebensgeschichten ihrer einstigen Trägerinnen werden einerseits die wichtigsten Stationen weiblichen Lebens vom Kindes- über das Eheleben bis ins Alter erlebbar, andererseits spiegeln sich in den Exponaten die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts wider, insbesondere die tragischen Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg: Verschleppung und Vertreibung.
Vernissage am 5. JuniVernissage am 5. Juni
Brauttrachten, Festtagskleider, Sonntagstrachten für den Kirchenbesuch, Kleider von Donauschwäbinnen, denen das Leben entrissen wurde – sie alle erzählen von Sparsamkeit und Repräsentation, von Tradition und Frömmigkeit, von Erinnern und Vergessen, von Nähen, Stricken, Häkeln, Sticken und Pflegen der Kleidung, von Wandel und von den Auswirkungen großer historischer Ereignisse auf den Alltag.
Das DZM sammelt und erforscht Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Minderheit in Südosteuropa. Seit den 1920er Jahren bezeichnet der Begriff „Donauschwaben“ die Nachkommen der rund 500.000 Deutschen, die im 18. und 19. Jahrhundert entlang der Donau in die damalige historische Ungarnregion ausgewandert sind: in die Gebiete der Tolnau, der Branau und der Schomodei (die sogenannte „Schwäbische Türkei“), ins Transdanubische Mittelgebirge, nach Bekesch, in die Batschka, in den Banat, nach Syrmien, Slawonien und Sathmar. Mit dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurden sie Bürger Ungarns, Jugoslawiens bzw. Rumäniens. Einen tiefen Bruch brachte der Zweite Weltkrieg: Am Kriegsende wurde die gesamte Volksgruppe der Kooperation mit den Nationalsozialisten beschuldigt. Die meisten Donauschwaben flohen oder wurden gewaltsam vertrieben, viele starben in jugoslawischen Internierungslagern oder bei Zwangsarbeit in der Sowjetunion. Heute leben ihre Nachfahren in aller Welt; in Ungarn bekennen sich knapp 143.000 Menschen zur deutschen Nationalität. Diesmal erzählen ihre Trachten und Trägerinnen ihre Geschichte.
Die Textilsammlung des DZM umfasst um die 12.000 Gewandstücke, überwiegend aus den 1940er Jahren – jene Festtagskleider, die Familien bei Flucht oder Vertreibung mitnahmen und als Erinnerungsstücke bewahrten. Es handelt sich dabei vorwiegend um Sonntags- und Feiertagsgewänder, weil gerade die schönsten Stücke bewahrt wurden. Ihre Trägerinnen trugen sie meist zu Treffen unter Schicksalsgenossen in Deutschland, obwohl sie sich im Alltag äußerlich ihrer neuen Umgebung anpassen mussten, um ihre Zukunft zu sichern.
Gleichzeitig mussten sie erkennen, dass gerade diese Trachten ihr Anderssein und ihre Fremdheit in der neuen Heimat betonten. So verschwanden die besten Stücke in den Tiefen der Schränke und wurden über Jahrzehnte als Erinnerungsstücke gehütet, ehe sie ins Museum gelangten.
Schwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum BudapestSchwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum BudapestSchwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum BudapestSchwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum BudapestSchwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum BudapestSchwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum Budapest
Zur bis zum 25. Januar 2026 besuchbaren Sonderausstellung werden auch Führungen und museumspädagogische Programme angeboten. Im Juni finden beispielsweise am Mittwoch, dem 18., und am Freitag, dem 20., jeweils um 12 Uhr sowie am Samstag, dem 28., und am Samstag, dem 19., jeweils ab 11 Uhr thematische Führungen mit Experten statt. Für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie der Mittelschulen besteht nach vorheriger Absprache die Möglichkeit, an einem Diskussions-Theater mit dem Titel „Gegen euren Trend“ teilzunehmen. Dabei können sie als aktive Mitwirkende die Grenzen zwischen individueller Entscheidung und der Anpassung an gesellschaftliche Normen ausloten. Für Kindergartenkinder und Schülerinnen und Schüler der Unterstufe der Grundschulen bietet das Programm „Großmutters Kleiderschrank“ eine märchenhafte Entdeckungsreise, bei der sprechende Kleider, ein Liebesbrief, geheimnisvolle Tücher und weitere magische Gegenstände in das Labyrinth der Vergangenheit führen.
Schwerer Stoff – Sonderausstellung im Ethnografischen Museum Budapest
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Pressemitteilung
Das Bundeskabinett hat am 28.05.2025 Dr. Bernd Fabritius zum neuen Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten bestellt. Er übernimmt damit erneut die Aufgabe, die er bereits von 2018 bis 2022 innehatte.
Dr. Bernd Fabritius (Foto: BdV/Bundesfoto)
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt: „Bernd Fabritius ist ein ausgewiesener Fachmann in Aussiedlerfragen und nationalen Minderheiten im In- und Ausland. Mit seiner Bestellung unterstreichen wir, dass der neuen Bundesregierung die Aussiedler- und Minderheitenpolitik ein wichtiges Anliegen ist. Wir stehen zu unserer Verantwortung gegenüber den Spätaussiedlern und Vertriebenen, den Angehörigen der deutschen Minderheiten und den nationalen Minderheiten in Deutschland. Dafür haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, das Amt des Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten zu stärken und die Zuständigkeiten für Heimatvertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler sowie deutsche Minderheiten wieder im Bundesinnenministerium zusammenzuführen.“
Dr. Bernd Fabritius ist Rumäniendeutscher. Er wurde am 14. Mai 1965 im siebenbürgischen Agnetheln (Agnita) geboren und siedelte 1984 gemeinsam mit Eltern und Geschwistern in die Bundesrepublik Deutschland aus. Er ist seit 2014 Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen.
Die bisherige Amtsinhaberin, Natalie Pawlik, hatte bereits am 15. Mai 2025 ihr Amt als Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten niedergelegt.
Mit dem Organisationserlass des Bundeskanzlers vom 7. Mai 2025 wurden dem Bundesministerium des Innern weitere Aufgaben übertragen: die Zuständigkeit für die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa einschließlich der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung sowie die Kulturförderung autochthoner Minderheiten (bis dahin bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien) und aus dem Auswärtigen Amt die Zuständigkeit für Kultur-, Gesellschafts- und Medienbeziehungen in Bezug auf deutsche Minderheiten im Ausland. Damit werden nun die wesentlichen Zuständigkeiten in der Aussiedler- und Minderheitenpolitik im Bundesinnenministerium gebündelt und das Aufgabengebiet des Beauftragten erweitert.
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Gibt es ein Idealpaar? Welchen Stress erlebt Luna? Ein Experiment in der Schule? Oder woanders? Kann eine Geburtstagsparty, die von vielen abgesagt wurde, doch gut ausgehen? Alltagsthemen, Gefühle und Verantwortung wurden an der Fortbildung mit dem Titel »„Achtung Kurzgeschichten: Alle einsteigen!“ – Eine kreative Fortbildung für Deutschlehrkräfte« in Ödenburg/Sopron und Tarian/Tarján Ende Mai 2025 in den Fokus gestellt.
Leonhard Thoma
Unter dem Titel „Achtung Kurzgeschichten: Alle einsteigen!“ fand Ende Mai eine inspirierende Fortbildung für Deutschlehrkräfte statt, organisiert vom Ungarndeutschen Pädagogischen und Methodischen Zentrum (UMZ). Der renommierte Autor und Referent Leonhard Thoma führte die Teilnehmenden mit viel Humor und Fachwissen durch die Welt der von ihm geschriebenen Kurzgeschichten im Deutschunterricht.
Die Veranstaltung wurde an zwei Standorten abgehalten: am 27. Mai an der Deutschen Nationalitätenschule in Ödenburg und am 28. Mai an der Deutschen Nationalitätenschule Grundschule in Tarian. Beide Fortbildungen waren mit über 20 interessierten Lehrkräften gut besucht. Die Zielgruppe umfasste Lehrerinnen und Lehrer der Klassen 1 bis 12, die neue Impulse für ihren Unterricht trotz Strapazen am Schuljahresende suchten.
Im Mittelpunkt der Fortbildung stand die Frage, wie literarische Texte – insbesondere Kurzgeschichten – nicht nur zum Lesen und Hören, sondern auch als Ausgangspunkt für kreative Sprech- und Schreibaktivitäten genutzt werden können. Thoma präsentierte ausgewählte Geschichten aus seinen Lektüren (Niveaustufen A1–C1) und zeigte praxisnah, wie alle vier Fertigkeiten – Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen – im Unterricht gefördert werden können, denn er meint: „Lektüre muss nicht nur Lesen bzw. Hören bedeuten. Geschichten können auch Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Sprech- und Schreibaktivitäten sein, auch für kleinere und größere Projekte. Dabei können auch Informationen aus dem Bereich Landeskunde erarbeitet werden.“
Ein besonderes Highlight war die Simulation von Unterrichtseinheiten, bei der die Teilnehmenden selbst in die Rolle der Lernenden schlüpften. Diese interaktive Herangehensweise ermöglichte es, die vorgeschlagenen Methoden direkt zu erleben und zu reflektieren. Ergänzt wurde das Programm durch theoretische Grundlagen, unter anderem durch den Aufsatz von Bernd Kast „Literatur im Anfängerunterricht“, sowie durch Gruppenarbeiten, in denen eigene Unterrichtskonzepte entwickelt und im Plenum präsentiert wurden.
Neben den Texten von Thoma wurden auch weitere hilfreiche Materialien empfohlen, wie Rainer E. Wickes „Werkzeuge zur Arbeit mit literarischen Texten“ und „Zwischendurch mal … kurze Geschichten“. Diese Werke bieten zusätzliche Anregungen für die Arbeit mit literarischen Texten im Deutschunterricht und sind online frei zugänglich.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurden die praxisnahen Aufgaben, die kreative Herangehensweise und die Aktualität der behandelten Themen. Viele Lehrkräfte äußerten den Wunsch, die vorgestellten Methoden direkt im Unterricht umzusetzen.
Die Fortbildung zeigte eindrucksvoll, wie Literatur nicht nur zur Sprachförderung, sondern auch zur Entwicklung sozialer Kompetenzen und moralischer Werte beitragen kann. Die oft überraschenden Wendungen in den Kurzgeschichten bieten zudem ideale Anlässe für weiterführende Gespräche im Klassenzimmer.
Mit dieser Veranstaltung wurde ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung des Deutschunterrichts in Ungarn geleistet – praxisnah, inspirierend und voller kreativer Impulse.
Die Fortbildung wurde vom Staatssekretariat für Nationalitäten- und Kirchenangelegenheiten im Amt des Ministerpräsidenten unterstützt.
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Die hier vorgestellte 2002 veröffentlichte zweisprachige Publikation ist nicht nur eine ortsgeschichtliche Monografie, sondern setzt auch der Vergangenheit, der Werte und der Gemeinschaft der Stadt Moor ein würdiges Denkmal. Ein Vierteljahrhundert nach dem Erscheinen der Originalausgabe entschied sich der örtliche Stadtrat aufgrund des regen Interesses ans Werk eine Neuauflage herauszugeben, um die mehrere tausend Jahre alte Geschichte der Siedlung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart in modernem Format und mit erweitertem Inhalt zu präsentieren.
Das Werk ist besonders bemerkenswert in der Art und Weise, wie es die Rolle der geografischen Gegebenheiten der Stadt in ihrer Entwicklung darstellt, die wechselseitigen Einflüsse historischer Ereignisse und Bevölkerungsgruppen beleuchtet und die gemeinsame Arbeit der Einwohner hervorhebt, durch die Moor zu einem wichtigen Zentrum Transdanubiens wurde. Das Buch betont die Bedeutung des Zusammenlebens der verschiedenen Nationalitäten, die Entstehung der berühmten Weinbaukultur von Moor, die Wellen deutscher Ansiedlung sowie den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch in der Stadt nach der politischen Wende.
Der Band erinnert nicht nur an die Vergangenheit, sondern bietet auch eine verantwortungsbewusste Sicht auf Gegenwart und Zukunft. Durch Fotos, Karten und künstlerische Aufnahmen vermittelt das Buch auf eindrucksvolle Weise ein lebendiges Bild der Stadt im Komitat Weißenburg.
Empfohlen sei dieses Buch nicht nur denjenigen, die in Moor geboren wurden, einst dort lebten oder da immer noch ansässig sind, sondern auch allen, die einen tieferen Einblick in die Geschichte, Entwicklung und das kulturelle Erbe der Kleinstadt gewinnen möchten.
Dr. Erdős Ferenc: Geschichte von Moor Mór: Kornétás Kiadó, 2002 562 Seiten Sprache: Ungarisch, Deutsch
ADie empfohlenen Bücher sind in der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek – wenn nichts weiteres Angegeben – nur zur Leihe zugänglich.Weitere Informationen: info@bibliothek.hu Webseite: www.bibliothek.hu
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Der Verein für Ungarndeutsche Kinder (VUK) veranstaltete im Schuljahr 2024/25 einen landesweiten Online-Wettbewerb zur deutschen Sprache und ungarndeutschen Kultur für Grundschüler. Über 120 Dreierteams nahmen am spannenden Wettbewerb teil, der in drei Alterskategorien organisiert wurde: Klasse 1-2, Klasse 3-4 und Klasse 5-8.
Die Aufgaben der vier Hauptrunden – nach einer einführenden Vorstellungsrunde – waren vollständig auf Deutsch und verbanden spielerisch-kreative Elemente mit Inhalten zu ungarndeutschen Traditionen und Kultur.
Die besten fünf Teams jeder Altersgruppe qualifizierten sich für das Finale, das am 9. Mai im Lenau-Haus in Fünfkirchen/Pécs stattfand. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Jugendchor des Valeria-Koch-Gymnasiums, bevor die Teams in ihren Alterskategorien um die ersten drei Plätze kämpften. In mündlichen und schriftlichen spielerischen Arbeitsaufträgen zeigten die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen über die deutsche Nationalität in Ungarn sowie ihre ausgezeichnete Sprachkompetenz. Nach dem offiziellen Teil gab es ein gemeinsames Mittagessen und eine kreative Bastelecke, die zum Austausch und Entspannen einlud.
Der Wettbewerb wurde von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), dem Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) und der Firma Rauch unterstützt. Die Gesamtkoordination lag in den Händen von Katalin Ruff. Für die Aufgabenerstellung und Bewertung waren folgende Betreuerinnen verantwortlich: Gabriella Sillmann (Klasse 1-2), Dorottya Erb (Klasse 3-4) und Klarissza Kapitány (Klasse 5-8).
Die Jury wurde zusätzlich durch Brigitta Lang-Nagy, Réka Gadó und Gábor Werner im Finale erweitert. Unterstützt wurden sie von den VUK-Jugendleiterinnen Barbara Werner, Frida Pájer und Kira Hergert.
Herzlichen Glückwunsch an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie an die Siegerteams!
Die Ergebnisse im Überblick:
Klasse 1-2: 1. Platz: Blitz-Team aus Seksard/Szekszárd (Baka-István-Grundschule) 2. Platz: Kunterbunt aus Seksard/Szekszárd (Baka-István-Grundschule) 3. Platz: Schmetterlinge aus Seksard/Szekszárd (Baka-István-Grundschule)
Klasse 3-4: 1. Platz: Die Saarer Sprachdetektive aus Saar/Szár (Romhányi György Deutsche Nationalitätengrundschule) 2. Platz: Die drei Spatzen aus Fünfkirchen/Pécs (Valeria-Koch-Bildungszentrum) 3. Platz: Die kleinen Eulen aus Fünfkirchen/Pécs (Valeria-Koch-Bildungszentrum)
Klasse 5-8: 1. Platz: Maiglöckchen aus Budapest (Grundschule in der Újlak Straße) 2. Platz: Tausendschön aus Papa/Pápa (Munkácsy Mihály Deutsche Nationalitätengrundschule) 3. Platz: Supermädchen aus Wudersch/Budaörs (Grundschule Wudersch)
Der Wettbewerb zeigte wieder einmal, wie wichtig die Förderung der nächsten Generation und die Weitergabe der ungarndeutschen Wurzeln bzw. Werte sind. Die teilnehmenden Teams und ihre Begleitpersonen verließen die Veranstaltung mit vielen positiven Eindrücken.
Wir hoffen, dass viele der Teams auch im kommenden Schuljahr erneut dabei sein werden und dass diese gut gelungene Veranstaltung auch andere Schulen und Schüler dazu inspiriert, sich künftig unserem Wettbewerb anzuschließen.
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21. Treffen der Musiker mit traditionellen Instrumenten 16.-18. Mai in Sankt Martin
Das Treffen der Musiker mit traditionellen Instrumenten ist eine der einzigartigen Veranstaltungen des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen. Franz Heilig und Johann Fódi haben diese Veranstaltung vor 22 Jahren ins Leben gerufen, um das Spielen auf alten ungarndeutschen Instrumenten zu erhalten und die ungarndeutsche Volksmusikkultur weiterzugeben.
Mitte Mai dieses Jahres, zum 21. Mal, erfüllten die Klänge von Mundharmonika, Knopf- und Tastenakkordeon sowie Hackbrett das Gemeinschaftshaus Sankt Martin. Wir freuten uns, die Musiker István Werb (Stefi), Dániel Kovács und János Kéri, die dieses Jahr zum ersten Mal dabei waren, in unserem Kreis begrüßen zu dürfen.
In seiner Begrüßungsrede sagte László Kreisz, Vorsitzender des Landesrates, dass unsere gemeinsame Aufgabe darin bestehe, diejenigen älteren Musiker zu finden, die noch über das instinktive musikalische Wissen verfügen, um die alten schwäbischen Instrumente zu spielen, deren Leidenschaft die ererbten Melodien sind und in deren Händen ein Knopfharmonika deshalb wie ein Instrument der Liebe klingt. Während des Treffens präsentierten sie authentisches Wissen, das jeder von seinen Eltern, Freunden oder einfach von Musikern aus der Region gelernt hatte. Die Anwesenden gedachten auch all derer, die in den 21 Jahren der Veranstaltung unsere Reihen verlassen hatten, denn leider hörten vierzehn von ihnen schon von oben dieses Konzert mit an.
Es ist interessant, den Proben des Treffens beizuwohnen und zu sehen, wie die Musiker zusammengeschliffen werden, wie sie ihre Instrumente aufeinander und auf die ausgewählten Lieblingslieder abstimmen, wie z. B. das diatonische Knopfharmonika und das unterschiedlich gestimmte Akkordeon. Beim Abschlusskonzert jedoch kommen alle Stimmen zusammen und die ungarndeutschen Melodien aus den verschiedenen Landesteilen werden zu einem einzigartigen gemeinsamen Auftritt zusammengeführt.
Die zwölf Darbietungen nahmen uns mit auf eine Zeitreise, zurück in den Alltag unserer Großeltern. Aber über das nostalgische Gefühl hinaus ist es erfreulich und ermutigend, dass die jungen Musiker des Treffens all dieses musikalische Wissen mit der Gegenwart und, mit Blick auf die Zukunft, mit der Zukunft verbinden. Auf diese Weise erhöhen sie den Wert unseres Dienstes, der die Kontinuität und das Überleben der Kultur unserer Nationalität sichert.
Als Gastgeberin des Festprogramms rief Erika Rierpl, stellvertretende Vorsitzende der örtlichen Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung, zunächst Ildikó Winhardt auf die Bühne. Ihr Hackbrettspiel wurde von Attila Dósa auf dem Akkordeon begleitet. Als einzigartige Melodie ihrer Darbietung trug sie auch ihre Eigenkomposition mit dem Titel „So ist das Leben…“ vor.
Ihnen folgten István Huber und István Szettele aus Hajosch auf Knopfharmonika, die hauptsächlich Polkas mitbrachten.
Dann betraten die Neulinge des Treffens, István Werb aus Nadasch und János Kéri aus Harast, mit ihren Knopfharmonikas die Bühne. István Werb, der Musiker der berühmten Nadascher „Stammtisch“-Kapelle, brachte Lieder aus seinem Heimatort mit. Das erste Mal mit dabei war auch János Kéri aus Harast, der ein lebendes Beispiel dafür ist, dass es nie zu spät ist, sich mit traditionellen schwäbischen Instrumenten, insbesondere dem Knopfharmonika, zu beschäftigen. Sein Kontakt zur deutschen Musik begann während seiner Bergwanderungen in Österreich und Deutschland. Er hörte gerne den Einheimischen zu, die in den Hütten und Gasthöfen Akkordeon spielten, und auf Anregung seiner Frau begann er vor knapp sechs Jahren, das Akkordeon spielen zu lernen und kaufte sich bald darauf eine Knopfharmonika. Er ist ein Autodidakt und hat seine Fähigkeiten in Kursen verfeinert. Vor zwei Jahren trat er dem Schorokscharer Männerchor bei, indem er als Sänger am Chorleben teilnimmt und seit einiger Zeit auch die Harmonikabegleitung übernahm. Wir heißen ihn im Kreis der traditionellen Instrumentalisten willkommen und hoffen, dass er ein ständiger Teilnehmer der Treffen wird.
Der in Saar lebende Dániel Kovács hat tiefe familiäre Wurzeln in der schwäbischen Musik: Er wurde in Werischwar geboren und sein Urgroßvater spielte Akkordeon. Die enge Beziehung zu seinem Großvater und die in Obergalla verbrachten Kindheitsjahre spielten eine entscheidende Rolle für die Entwicklung seines Musikgeschmacks. Er ist viel umgezogen und kam dadurch mit mehreren ungarndeutschen Gemeinschaften in Kontakt: In Adam ermutigten ihn seine älteren Musikerfreunde, sich mit dem diatonischen Harmonika nach der Mundharmonika zu beschäftigen. Er ist der schwäbischen Musikkultur sehr verbunden und pflegt das Erbe seines Großvaters, indem er den Chor in Obergalla begleitet. Er singt auch im Schorokscharer Männerchor und lebt derzeit in Saar, einer weiteren Wiege der ungarndeutschen Musikkultur. Wir begrüßten ihn letztes Jahr beim Treffen in Seetsche zum ersten Mal und hoffen, dass wir ihn bei vielen Gelegenheiten in unserem Kreis noch willkommen heißen können.
Der nächste Musiker war ein Vertreter der jüngeren Generation, Balázs Dani aus Bonnhard, der auf der steirischen Zither zusammen mit seinem Mentor, Tibor Németh aus Großmanok, der auf der Konzertzither spielte, alte Melodien vortrug.
Dann konnten wir wieder ein Knopfharmoinka-Trio mit József Mehringer aus Raab, János Knipf aus Waschkut und Dániel Kovács aus Saar hören. Das Instrument von János Knipf, das 200 Jahre alte Wilhelm-Lubich-Knopfharmoika seines Großvaters, ist zu einem unverzichtbaren Instrument bei den Treffen geworden.
Auch beim nächsten Programmpunkt stand das Akkordeon im Vordergrund als János Knipf und Vilmos Steinmann aus Úny auftraten, Herr Steinmann spielte eine im Jahr 1931 gebaute Knopfharmonika.
Es folgten Lieder, vorgetragen vom Branauer Frauenchor, begleitet von Gábor Pappert auf dem Akkordeon. Dann schneller Wechsel wieder zum Akkordeon: József Mehringer, Vilmos Steinmann und Dániel Kovács standen erneut auf der Bühne.
Die Produktion des Vater-Tochter-Duos aus Salkau ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Treffens. Es ist herzerwärmend zu sehen, wie sich Jahr für Jahr die besondere Beziehung zwischen Anna Pappert und Gábor Pappert vor unseren Augen formt, die auch durch das ungarndeutsche musikalische Erbe ihrer Vorfahren geschmiedet wurde.
Das Programm wurde mit einer Darbietung aus Wemend fortgesetzt. Tamás Hergert spielte auf dem Akkordeon und sang zusammen mit János Hahn.
Vor dem letzten Lied kamen alle Akkordeonisten des Treffens – Tamás Hergert, János Knipf, Dániel Kovács, József Mehringer, Gábor Pappert, Vilmos Steinmann und István Werb – auf die Bühne. Das Treffen wurde durch gemeinsames Singen und Musizieren der Teilnehmer beendet.
Die Veranstaltung wurde am Sonntagmorgen mit einer traditionellen heiligen Messe in der römisch-katholischen Kirche von Sankt Martin abgeschlossen. Es war ein Zusammentreffen der Generationen, als die 92-jährige Tante Lisi und die Teenagerin Anna Pappert nacheinander von der Kanzel lasen. Diese kleine Szene symbolisiert auch, dass unser Erbe eine Zukunft hat, es ist nur wichtig, es im Alltag zu leben und es authentisch an unsere Kinder weiterzugeben.
Die Veranstaltung wurde durch das Bundesministerium des Innern (BMI), die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), die Regierung Ungarns und die Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung der Stadt Sankt Martin gefördert.
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Studierende des Seminars Regionalität, Kultur und Medien am Germanistischen Institut der ELTE Budapest besuchten unter der Leitung von Dr. Rita Nagy das Haus der Ungarndeutschen (HdU), um sich aus erster Hand über die ungarndeutschen Aktivitäten im HdU zu informieren. Wir veröffentlichen Berichte der Besucher.
Besuch in der Lendvay-Straße
Am 23. April scheint die Sonne über Budapest, als die Studierenden das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum in der Lendvay-Straße 22 besuchen. Neugier und Erwartung prägen die Stimmung. Zu Beginn wohnen die Studierenden einer Präsentation von Angelika Erdélyi-Pfiszterer, der Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek, zum kulturellen Hintergrund der Ungarndeutschen und des Zentrums bei. Sie erfahren, wie diese Nationalität lebt, welche Traditionen sie pflegt und welche Rolle die deutsche Sprache und Kultur heute noch spielen. Die Einführung zeigt Wirkung: Alle sind tief berührt und warten gespannt auf die Fortsetzung.
Danach führt der Weg in die Redaktionsräume des Wochenblattes Neue Zeitung. Wenn man das Büro betritt, hat man das Gefühl, in einer ganz anderen Welt angekommen zu sein: Der Raum verströmt den typischen Duft von Büchern und Tinte, der nicht nur die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet, sondern auch die Anwesenden – ganz ohne Unterschied. Die Gruppe bekommt eine interessante Führung von Chefredakteur Johann Schuth, lernt den Redaktionsalltag kennen und stellt Fragen zur journalistischen Arbeit. Als Andenken erhalten alle ein aktuelles Osterexemplar der Zeitung. Die Neue Zeitung, ein wichtiges Presseorgan der deutschen Nationalität in Ungarn, gibt es seit 1957. Sie unterstützt die Kommunikation, die Sprach- und Kulturpflege der Ungarndeutschen. Das Blatt erscheint jede Woche auf 20 Seiten, davon sind acht Seiten den Kindern (NZjunior) und eine Seite der Jugend gewidmet. Es gibt auch Beilagen wie Ungarndeutsche Christliche Nachrichten, einmal im Jahr die Literatur- und Kunstbeilage Signale und BUSCH-Trommel für Deutschpädagogen. Die Teilnehmer sind interessiert und begeistert, als sie erfahren, dass man in der Redaktion ein Praktikum machen kann. Diese Möglichkeit besteht nicht nur für Interessierte aus Ungarn, sondern es kommen auch ständig Studenten aus Deutschland.
Anschließend entdecken die Studierenden die Bibliothek. Dort finden sie neben Literatur über die Ungarndeutschen und deutschen Minderheiten auch aktuelle Zeitungen und Magazine sowie CDs mit ungarndeutscher Musik. Die Vielfalt beeindruckt alle. Die meisten Leser hier sind zweisprachig und möchten mehr über Geschichte, Kultur und Sprache der Ungarndeutschen erfahren. Hier kann man Familienforschung betreiben. Die Bibliothek legt viel Wert auf eine regelmäßige Aktualisierung des Bestandes.
Am Ende des Programms versammelt sich die Gruppe draußen und macht ein gemeinsames Foto – ein schönes Andenken an einen lehrreichen und spannenden Tag in der Welt der ungarndeutschen Kultur. Die im Haus der Ungarndeutschen verbrachten Stunden tragen wesentlich dazu bei, dass die Studenten die Bedeutung der Kultur verstehen.
Lilla Sepely
Im Haus der Ungarndeutschen
Nach den Frühlingsferien hatte eine Gruppe von Germanistik-Studierenden der ELTE die Möglichkeit, das Haus der Ungarndeutschen zu besuchen. Das Gebäude liegt in der Nähe von mehreren Botschaften und anderen kulturellen Institutionen im Herzen der Hauptstadt.
Beim Eingang empfängt uns eine große Tafel mit den Namen der im HdU tätigen Organisationen. Die Räume dienen auch als Veranstaltungsort und Ausstellungsstätte (damals lief eine Schau mit Werken des Malers Gábor Kovács-Gombos). Am Anfang der deutschsprachigen Führung erzählen Johann Schuth und Angelika Erdélyi-Pfiszterer über die Geschichte des Hauses von der Gründung bis in die Gegenwart. Beim Durchblättern der Zeitung ahnt man, wie viel Energie die Redaktion dafür einsetzt, alle Generationen der Ungarndeutschen anzusprechen, zu informieren und zu unterhalten.
An der Wand des Büros des Chefredakteurs hängt eine große Landkarte mit den ungarndeutschen Ortsnamen und mit Volkszählungsdaten zur ungarndeutschen Gemeinschaft. Hier erfahren wir, dass die Mitarbeiter im Home-Office ihre Aufgaben erledigen, um von Woche zu Woche eine vielseitige Zeitung mit interessanten Artikeln zusammenzustellen.
Als letzte Station unseres Besuches steigen wir wieder die Treppen hinauf zur Ungarndeutschen Bibliothek, die eine reiche Auswahl zum ausführlichen Recherchieren in allen Bereichen der deutschen Minderheiten umfasst. Beachtlich ist die Zahl der Bücher zur ungarndeutschen Geschichte und Identität. Die Bibliothek bietet auch Gelegenheit, nach der Herkunft von ungarndeutschen Familien(namen) zu forschen. Nach der Führung hat unsere Seminargruppe genug Zeit, den Bücherbestand der Bibliothek zu entdecken oder sich in der Bibliothek anzumelden.
Wir bedanken uns für die Möglichkeit, einen Einblick in das Leben des Zentrums und der Redaktion zu bekommen und die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit persönlich zu erfahren.
Csenge Csiszár – Nikolett Palkovics
Journalismus nähergebracht
Der Besuch in der Redaktion Neue Zeitung vermittelte einen spannenden Einblick in die journalistische Arbeit. Nach der freundlichen Begrüßung durch Chefredakteur Johann Schuth wurden die verschiedenen Abteilungen der Redaktion im Rahmen einer Führung besichtigt. Außerdem konnten die StudentInnen früher veröffentlichte Werke und Zeitungen und anschließend auch die Ungarndeutsche Bibliothek im HdU kennenlernen.
Der Besuch war besonders informativ und vermittelte einen realistischen Eindruck davon, wie professioneller Journalismus funktioniert und wie viel Arbeit hinter einem Zeitungsartikel steckt. Gleichzeitig wurde den StudentInnen der Journalistenberuf nähergebracht – vielleicht als Motivation für einen potentiellen Nachwuchs.
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Das 2016 erschienene Buch von Frigyes Simányi ist ein längst überfälliges Werk für Liebhaber der ungarischen Volksarchitektur, denn bisher gab es nur wenige umfassende Veröffentlichungen über die ungarischen Heimatmuseen. Die Besonderheit dieses Bandes liegt darin, dass er nicht nur die Gebäuden selbst vorstellt, sondern auch das kulturelle Erbe beleuchtet, das sich hinter ihnen verbirgt, mit besonderem Augenmerk auf die Bauweise und Traditionen der ungarndeutschen Volksgruppe.
Das Komitat Branau ist eine der bedeutendsten Regionen der ungarndeutschen Gemeinschaft. Im Buch erfahren wir, wie die Schwaben hier lebten, wie ein traditionelles Bauernhaus aufgebaut war, welche Bautechniken verwendet wurden und wie sich dies im Alltag widerspiegelte. Die Heimatmuseen sind nicht bloß Museen, sie sind lebendige Zeugnisse der Kultur, Religiosität, Arbeitsmoral und des Familienlebens einer Gemeinschaft.
Das Buch stellt die typischen Merkmale der deutschen Volksarchitektur vor: Lehmziegelbau, Fachwerk-Technik, die hofseitige Anordnung der Häuser, die bunt bemalten Giebel und die sorgfältige Gliederung der Hofräume. Die Heimatmuseen geben ein Bild vom damaligen Leben, von den Haushaltsgeräten, Möbeln und sogar von der traditionellen Kleidung.
Der Band lässt auch die ethnische Vielfalt der Region nicht außer Acht. Die Volksarchitektur der kroatischen und der serbischen Gemeinschaften, die das kulturelle Mosaik der Branau zusätzlich bereichert, wird ebenfalls dargestellt. Die einzelnen Heimatmuseen erinnern auch an das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen.
Der Autor hat sowohl aus ortsgeschichtlicher als auch aus volkskundlicher Sicht gründliche Arbeit geleistet: Zu jedem Heimatmuseum findet man Informationen über die Geschichte, Bevölkerung und Traditionen des jeweiligen Ortes. Am Ende des Buches erleichtern nützliche Anhänge, z. B. Ortsverzeichnisse, die Planung von Besuchen an diesen besonderen Orten.
Das Buch wurde auf Ungarisch verfasst, enthält aber auch Bildunterschriften auf Englisch und Deutsch.
Dieser Band ist besonders wertvoll für alle, die entdecken möchten, wie unsere Vorfahren einst auf dem Land lebten und wie dieses Wissen heute in den Heimatmuseen des Komitats Branau bewahrt wird.
Simányi Frigyes: Baranya megye tájházai, emlékházai, népi épületei. Rural Heritage, Folk and Commemorative Buildings in Baranya Country. Volksgebäude, Landhäuser, Gedenkstätten des Komitats Baranya/Branau Budapest: Romanika Verlag, 2016 168 Seiten Sprache: Ungarisch; Bildunterschriften: Ungarisch, Deutsch, Englisch
Die empfohlenen Bücher sind in der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek – wenn nichts weiteres Angegeben – nur zur Leihe zugänglich.Weitere Informationen: info@bibliothek.hu Webseite: www.bibliothek.hu
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Am 23. Mai öffnete um 9 Uhr das Gemeindehaus in Tarian seine Türen zum diesjährigen deutschsprachigen Theaterfestival für Grundschulen der Region Nord. Den Auftakt bildete ein Kulturprogramm mit einem ungarndeutschen Tanz in traditioneller Tracht. Im Publikum saß unter anderem, neben einer Jury, die am Schluss einen Gewinner küren sollte, auch Bürgermeister Tamás Klinger. Im Anschluss stellten die Schülerinnen und Schüler ihre Theaterstücke vor.
Die 1. Klasse der Hunyadi Janos Deutschen Nationalitätengrundschule aus Harast präsentierte eine Version des russischen Kindermärchens „Die riesengroße Rübe“, bereichert durch stimmungsvolle Gesangseinlagen.
Hunyadi Janos Deutsche Nationalitätengrundschule, Harast
Die 2. Klasse der Anton Grassalkovich Grundschule in Schorokschar ließ das Kinderlied „Schnappi, das kleine Krokodil“ in ihrer eigenen Interpretation lebendig werden. Mit farbenprächtigem Bühnenbild und einer Vielzahl origineller Kostüme.
Anton Grassalkovich Grundschule, Schorokschar
Märchenhaft ging es weiter. Die 3. Klasse der Grundschule Tarian zeigte eine Aufführung von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ und entführte die Zuschauer in die Welt der Gebrüder Grimm.
Drittklässler der Grundschule Tarian
Die 4. Klasse der Lajos Aprily Grundschule in Plintenburg zeigte das Stück „Nur einmal gab’s in Buda Hundemarkt“, das die bekannte Legende von König Matthias erzählt. Eine schwungvolle Tanzeinlage am Ende rundete die Darbietung ab.
Lajos Aprily Grundschule, Plintenburg
Die 6. Klasse der Deutschen Nationalitätengrundschule aus Pestszentlőrinc (Rote Schule) bot eine ganz eigene Sicht auf die Martinsgeschichte. Sie erzählte das Geschehen aus der Perspektive einer Gänsefamilie, die im Stall Bekanntschaft mit dem heiligen Martin macht.
Rote Schule, Pestszentlőrinc
Den Abschluss bildete die 7. Klasse der Grundschule Tarian mit der Mundartaufführung „Federschleißen in Tarian“, die besonders bei Liebhabern der Sprache und des bäuerlichen Winterbrauchtums Anklang fand.
Siebtklässler der Grundschule Tarian
Nach den Vorführungen zog sich die Jury zur Beratung zurück und kürte schließlich die Interpretation von „Schnappi, dem kleinen Krokodil“ zum Gewinner. Als Preis darf die Gruppe beim Sommertheatercamp in Waschludt teilnehmen. Die Entscheidung war denkbar knapp, denn alle Klassen hatten ihr Bestes gegeben und ihre Freude an der deutschen Sprache spürbar auf die Bühne gebracht.
Das Grundschultheatertreffen der Region Nord wurde vom Bundesministerium des Innern und für Heimat, vom Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek sowie von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gefördert.
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Einen Tag vor dem Internationalen Kindertag eroberten die Kleinsten das Haus der Ungarndeutschen. Im Rahmen der Reihe Zentrum-Programme im HdU des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek wartete ein tolles Vormittagsprogramm auf sie: Im Otto-Heinek-Saal stellte sich das im vergangenen Jahr gegründete Tarianer Familientanzhaus vor.
An der deutschsprachigen Beschäftigung nahmen zahlreiche, gut gelaunte Kinder mit ihren Eltern bzw. Großeltern teil. Sie sangen, tanzten und bastelten gemeinsam. Die Leiterinnen der Beschäftigung, Katinka Izing-Árendás und Dorottya Váradi-Bach, sind motiviert, solche Lieder zu vermitteln, bei denen die Kinder viele deutsche Wörter und Ausdrücke lernen können: So ertönten Lieder über Körperteile, Jahreszeiten oder Bewegungen. Die Kinder mochten auch die traditionellen Reime, die in der Tarianer Mundart erlernt wurden. Auf den schwungvollen Akkordeonklang von Ádám Straubinger tanzten die Familien zuerst paarweise, später in einem großen, fröhlichen Kreis. Mithilfe eines Besens haben sie auch das Krokodil aus der grünen Wiese in den Raum gelockt!
Nach einer kurzen Trinkpause setzte sich die Veranstaltung mit einer kleinen Bastelei fort: die Mädchen und Jungen kreierten spitze, farbige Heißluftballons.
Anlässlich des Kindertages beschenkte das Zentrum die Kinder mit Leckereien und auch mit einem außergewöhnlichen Bleistift – oder vielleicht Zauberstab? Je nach der Wahl der kleinen Hauptdarsteller des Tages.
Organisator: Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Förderer der Veranstaltung: Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen Ministerpräsidium über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2025/3-000466)
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Ungarndeutsche Woche im Boschoker Kindergarten
Auch in diesem Jahr beteiligte sich unser Dorf voller Stolz am landesweiten Programm des TrachtTages, der mittlerweile zu einer festen Tradition der ungarndeutschen Gemeinschaft geworden ist.
Im Boschoker Kindergarten wurde der TrachtTag im Rahmen einer ungarndeutschen Woche gefeiert und mit weiteren Programmpunkten verbunden, die den Kindern spielerisch ungarndeutsche Werte und Traditionen näherbrachten. Die Kinder konnten die Ausstellung im örtlichen Dorfmuseum erkunden, in der viele erhaltene Alltagsgegenstände und Schätze der ungarndeutschen Kultur zu sehen sind.
Gemeinsam wurden die alten Gebrauchsgegenstände und Kleidungsstücke – auch auf Deutsch – benannt, und die Kinder überlegten, wozu die Gegenstände einst dienten. Die Räume des Hauses und deren frühere Funktionen wurden erklärt, sodass sich ein lebendiges Bild vom Leben früherer Generationen ergab.
Am zweiten Tag kamen zwei Urgroßmütter aus dem Dorf zu Besuch in den Kindergarten. Sie brachten ihren Urenkelinnen Trachten mit und erzählten von den einzelnen Kleidungsstücken, den Stoffen, Farben und Motiven. Die vielen Unterröcke gefielen den Mädchen besonders gut.
Ein Ziel dieses Tages war es, die Generationen durch gemeinsame Erlebnisse zu verbinden und ein tieferes Verständnis für die lokale Volkstracht zu schaffen. Die Kinder und die Urgroßmütter sprachen darüber, wann welche Tracht getragen wurde, worin sich Kinder- und Erwachsenentracht unterschieden – und wie sich Kleidung im Laufe der Zeit verändert hat.
An den folgenden Tagen wurde das Erlebte vertieft. Beim Basteln und Malen standen schwäbische Motive im Mittelpunkt: Kleidung, verzierte Krüge oder Ornamente wurden gestaltet. Auch ein traditionelles Instrument – das Akkordeon – wurde vorgestellt und zum Klingen gebracht. Diese musikalische Erfahrung begeisterte die Kinder.
Am Freitag nahmen die Kinder und Erzieherinnen am TrachtTag teil und kleideten sich mit Elementen der traditionellen Tracht. Dieses Ereignis wurde auf besonders schöne Weise durch das Debüt der neuen Tracht für die Jungen ergänzt. Dank der finanziellen Unterstützung des Verbands der Branauer Deutschen Selbstverwaltungen (BNÖSZ), die aus Mitteln der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) und der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Branau (BVNÖ) bereitgestellt wurde, konnte die Boschoker Deutsche Selbstverwaltung 15 Hemden, Schürzen und Hüte für die Jungen im Kindergarten anfertigen lassen. Nun verfügen auch die Jungen über eine vollständige Tracht!
Diese Woche war ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Tradition auf lebendige und spielerische Weise vermittelt werden kann. Dank des großen Engagements der Erzieherinnen, der unterstützenden Eltern und der älteren Generation konnten unsere Kinder wertvolle kulturelle Erfahrungen sammeln – Erfahrungen, die hoffentlich lange in Erinnerung bleiben.
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Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen tagte in Budapest
Die ordentliche Frühjahrssitzung der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) fand am 24. Mai 2025 in der Budapester Zentrale der LdU statt. Delegierte aus ganz Ungarn kamen zusammen, um über aktuelle Themen zu beraten und wichtige Entscheidungen in organisatorischen, bildungspolitischen und kulturellen Fragen der deutschen Gemeinschaft in Ungarn zu treffen.
Ein zentrales Thema war die Vorstellung und Annahme des Jahresabschlusses 2024 der LdU sowie der Haushaltsberichte der Wirtschaftsgesellschaften “Iglauer Park” und “Deutsches Haus GmbH” sowie der Trägerstiftungen zweier renommierter Bildungseinrichtungen, die von der Landesselbstverwaltung mitgetragen werden: des Ungarndeutschen Bildungszentrums Baje und der Audi Hungaria Deutschen Schule in Raab. Die Vollversammlung drückte ihre Anerkennung gegenüber der transparenten und soliden Wirtschaftsführung dieser Einrichtungen aus und bestätigte damit die Grundlage für zukünftige Investitionen in Infrastruktur und Bildung.
Beschlossen wurde zudem die erste Modifizierung des Haushaltsplans für 2025. Die Anpassung ermöglicht der LdU, dringend notwendige Sanierungen ihrer Bildungs- und Kultureinrichtungen vorzuziehen, ohne die strukturelle Ausgeglichenheit des Budgets zu gefährden. Der öffentliche Beschaffungsplan für 2025 wurde entsprechend angepasst und enthält bedeutende, durch das Amt des Ministerpräsidenten geförderte Bauprojekte wie Anstricharbeiten am Deutschen Nationalitätengymnasium Budapest, Turnhallensanierung des Valeria-Koch-Bildungszentrums in Fünfkirchen und die weitere Dachsanierung des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Werischwar.
Personelle Entscheidungen gab es bei der Besetzung der Hauptdirektorenstellen am Werischwarer Gymnasium sowie am Fünfkirchner Bildungszentrum. Nach Ablauf ihrer Mandate wurden Erika Bogár-Szabó und Agnes Pesti-Amrein jeweils einstimmig zu alten-neuen Hauptdirektorinnen der beiden LdU-Bildungseinrichtungen ernannt und sollen das herausragend hohe fachliche Niveau beibehaltend Innovationsprozesse vorantreiben.
Im kulturellen Bereich wurde der ambitionierte Spielplan 2025/2026 der Deutschen Bühne Ungarn, des einzigen professionellen deutschsprachigen Schauspielhauses Ungarns – ebenfalls von der LdU getragen – vorgestellt und gebilligt. Dieser umfasst mehrere Premieren wie die Komödie „Modern Mermates“, das Märchen „Grimm: Dornröschen“, eine Lesung zum Thema Vertreibung, das Jugendstück „Frankenstein“ und die Komödie „Butterbrot“. Zudem erhielten 17 Projekte zur grenzübergreifenden Netzwerkbildung und Kulturzusammenarbeit Fördermittel aus dem Projekt „Überregionaler Erfahrungsaustausch“ des Bundesministeriums des Innern und für Heimat mit einem Gesamtvolumen von 6.810.596 Forint. Einen wichtigen Schwerpunkt bildeten Förderungen für Kulturgruppen zur Anschaffung von Instrumenten und Trachten im Gesamtwert von mehr als 7,5 Millionen Forint sowie der weitere Ausbau des landesweiten Netzes der ungarndeutschen Lehrpfade, die kulturelles Erbe nachhaltig vermitteln. Der neue, mittlerweile 19. ortsthematische Weg wird in Hartau (Komitat Batsch-Kleinkumanien) erstellt.
Schließlich verabschiedete die Vollversammlung einen umfassenden Lehrerfortbildungsplan zur kontinuierlichen Verbesserung pädagogischer Qualität und methodischer Kompetenzen an den LdU-Trägerschulen.
Der Bericht über die Aktivitäten von LdU-Chefin Ibolya Hock-Englender und Olivia Schubert, der stellvertretenden Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung, betonte übergreifende Entscheidungen und intensive fachliche Betreuung in Angelegenheiten in Bezug auf Förderungen, Politik-, Bildung-, Kultur-, Kommunikations- und Jugendstrategie, Personalfragen, Veranstaltungen, Kooperation, Gesetzgebung und Investitionen in Verbindung mit der ungarndeutschen Gemeinschaft.
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Fotos gesucht! Eine Nachricht von der Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Liebe Freunde,
in diesem Jahr feiern wir den 30. Geburtstag der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und möchten gemeinsam an die Ereignisse und besonderen Augenblicke der letzten drei Jahrzehnte erinnern. Deshalb suchen wir alte Fotos, die wichtige Stationen, Veranstaltungen und Gemeinschaftsmomente der LdU festhalten.
Wenn ihr Fotos aus der Zeit ab den 1990er Jahren bei euch zu Hause habt, lasst sie uns bitte zukommen:
Digital: Scannt eure Fotos in mindestens 300 dpi Auflösung (druckfähige Qualität) und schickt sie per E-Mail an: ldu@ldu.hu
Als Papierabzug: Wenn ihr nur den originalen Fotodruck besitzt, sendet ihn uns gerne postalisch zu: Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen 1537 Budapest, Postfach 348
Wir schicken die Fotos auf Wunsch selbstverständlich unversehrt zurück.
Bitte vermerkt auf jedem Bild – falls bekannt – das Jahr, den Ort und die Namen der abgebildeten Personen. So können wir unsere Jubiläumsausstellung und das begleitende Album besonders anschaulich gestalten.
Der Einsendeschluss wurde bis zum 22. Juni 2025 verlängert! Bei Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung: +36 1 212-9151
Vielen Dank, dass ihr Teil dieser besonderen Fotosammlung seid und unsere gemeinsamen Erinnerungen bereichert!
Herzliche Grüße und wir freuen uns auf eure Einsendungen, Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
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Anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens veranstaltete die Audi Hungaria Deutsche Schule Győr am 9. Mai 2025 eine Jubiläumsgala, zu der zahlreiche Gäste und Vertreter aus Politik und Wirtschaft geladen waren.
Den Auftakt der feierlichen Veranstaltung bildeten Tänzer des bekannten Raaber Balletts mit einer Choreografie von Direktor László Velekei zu Klängen von Vivaldis Vier Jahreszeiten.
Tänzer des Raaber Balletts
Anschließend eröffneten Tünde Havassy, Vorsitzende des Kuratoriums der Audi Hungaria Schule Öffentlichen Träger- und Betreiberstiftung, und Schulleiter Andreas Gering den festlichen Abend. Beide gaben ihrer Freude Ausdruck, dass so viele Gäste der Einladung gefolgt seien, um diesen besonderen Anlass gemeinsam zu feiern. Frau Havassy begrüßte die Personen, die bei der Gründung der Schule vor 15 Jahren eine maßgebliche Rolle gespielt haben, namentlich und betonte, dass ohne deren Vision und Engagement das ehrgeizige Schulprojekt nicht erfolgreich gewesen wäre. Schulleiter Gering hob in seiner Begrüßungsansprache hervor, dass es für die Gründung einer Bildungseinrichtung Mut und Leidenschaft bedürfe, aber diese tagtäglich aufgebracht werden müssten, um immer besser zu werden.
Andreas Gering und TündeHavassy
Christiana Markert, Gesandte der Deutschen Botschaft Budapest, überbrachte Glückwünsche zum Jubiläum der Schule und bedankte sich bei der Trägerstiftung für ihr kontinuierliches Engagement zur Stärkung der deutsch-ungarischen Beziehungen sowie der Vermittlung von fremdsprachlichen Kompetenzen, die einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil für die Absolventen bedeuteten.
Christiana Markert
Als nächster Redner wandte sich Helmut Seiler, Gründungsdirektor der Schule und derzeitiger Beauftragter des Vorstands der Trägerstiftung, ans Publikum. Zunächst betonte er, dass die Audi Hungaria Schule als Begegnungsschule von Anfang an auch für ungarische Kinder offen gestanden habe. Dabei sei die Unterscheidung von anderen Schulen stets wichtig gewesen. Durch die Möglichkeit, international anerkannte Abschlüsse zu erwerben, würden den Absolventen der Einrichtung in der globalisierten Welt besonders attraktive Karrierewege eröffnet. „Angelehnt an den Audi-Slogan gilt für uns der Leitspruch Vorsprung durch Bildung. Dank der vielen engagierten Menschen, die als Team mit Vertrauen, Demut und Glauben gemeinsam an der Entwicklung der vergangenen 15 Jahre mitgewirkt haben, können wir mit Überzeugung sagen: Die Zukunft beginnt in der Schule.“
Helmut Seiler
In seiner Festrede erinnerte Dr. Ing. h.c. Thomas Faustmann, der als damaliger Vorstandsvorsitzender der Audi Hungaria Motor Kft. Initiator des Schulprojekts war, an die Anfänge der Audi Hungaria Schule. In der zweiten Hälfte der 2000-er Jahre war das Unternehmen auf der Suche nach guten Mitarbeitern, für diese Fachleute und ihre Familien war ein adäquates Umfeld unerlässlich, dazu gehörten auch Kindergarten und Schule. „Ein Team von engagierten Akteuren hat mit Einsatz, Kreativität und Expertise eine Bildungseinrichtung geschaffen, die auf einem Campus von Kindergarten bis Gymnasium und Berufsausbildung qualitativ hochwertigen Unterricht garantiert. Darauf können wir wirklich stolz sein.“ Als Schlusswort fügte er hinzu, die Schule übe einen prägenden Einfluss aus und schaffe durch guten Unterricht eine solide Basis für die Zukunft der Audi-Schüler. In diesem Sinne wünschte er der Schule weitere Erfolge auf ihrem eingeschlagenen Weg.
Dr. Ing. h.c. Thomas Faustmann
Dr. Elisabeth Knab, Gründungsdirektorin der Stiftung Széchenyi István Universität, ehemalige Vorständin Personal und Organisation der Audi Hungaria Motor Kft., begann ihre Festrede mit einem persönlichen Statement: „Mit der Audi Hungaria Deutschen Schule Győr fühle ich mich in vieler Hinsicht eng verbunden, deshalb ist dieses Jubiläum für mich ein höchst emotionales Ereignis. Die Geschichte der Schule begann vor 17 Jahren, als ich noch Schulleiterin des Ungarndeutschen Bildungszentrums Baje war. Herr Dr. Faustmann trat mit der Bitte an uns heran, seine Vision von einer deutschen Schule in Raab zu verwirklichen.“ Nach einer spannenden und fordernden infrastrukturellen Vorbereitungsphase, während derer eine Reihe von organisatorischen und juristischen Hürden mit der Unterstützung seitens des UBZ und der Audi Hungaria gemeistert werden konnten, startete im Herbst 2010 der Unterrichtsbetrieb. Seitdem habe die Schule ein rasantes Wachstum durchgemacht und sich zu einer beispielhaften Bildungseinrichtung mit europäischer Ausstrahlung entwickelt. Frau Dr. Knab verglich die Schule mit einem Baum, dessen Gedeihen Hoffnung für die Zukunft gebe, dessen Stamm ein solides Fundament bilde und die Rückkehr zu den Wurzeln symbolisiere.
Dr. Elisabeth Knab
Auch Kinga Németh, Vorständin Personal und Organisation der Audi Hungaria Zrt., betonte in ihrer Festrede ihre persönliche Verbundenheit mit der Schule, nicht nur in ihrer Eigenschaft als Projektleiterin bei Gründung und Aufbau der Einrichtung, sondern auch als Mutter einer der ersten Schüler. „Wir als Unternehmen bemühen uns stets ein Stück mehr zu leisten als was im Fokus unseres Kerngeschäfts steht. Dabei genießt Bildung einen bedeutenden Stellenwert, hier an dieser Schule wird das besonders deutlich, denn die Schüler bekommen hier mehr als an anderen Schulen. Die Erfolge der Absolventen beweisen dies am eindrücklichsten.“ Die Audi Hungaria Deutsche Schule Győr und die Audi Hungaria Zrt. würden im Bildungsbereich auch weiterhin gemeinsame Ziele verfolgen, nämlich die Sicherung eines einzigartigen bilingualen Bildungsangebotes vom Kindergarten bis zur Beruflichen Bildung, den Ausbau eines wertvollen Netzwerks und die Ausbildung von kompetenten Nachwuchskräften und modernen Weltbürgern.
KingaNémeth
In ihren Ansprachen hoben sowohl der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Raab, Roland Kósa, als auch der Parlamentsabgeordnete Róbert Balázs Simon die Stellung der Schule in der Bildungslandschaft Ungarns hervor, der Einrichtung sei es gelungen, die infrastrukturelle Entwicklung mit wertvollen Inhalten zu füllen. Beide wünschten der Einrichtung viel Erfolg für die nächsten Jahrzehnte.
Auch die Kindergartenkinder traten auf die Bühne
Die Festreden und Ansprachen wurden eingerahmt von einer Schülerpräsentation, einem Reigen ungarndeutscher Volkstänze der Kindergartenkinder, einem Liedbeitrag der Musiklehrerin und einer lateinamerikanischen Tanzaufführung. Als Schlussakkord spielte das Philharmonische Orchester der Stadt unter Leitung von Tibor Bogányi den 4. Satz von Antonin Dvořáks Symphonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“.
Das Philharmonische Orchester von Raab spielte den 4. Satz von Antonin Dvořáks Symphonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“
Zum Abschluss der Festveranstaltung bedankte sich Tünde Havassy bei allen Anwesenden und Mitwirkenden für die Teilnahme am Galaabend und legte ihnen ans Herz, das Jubiläumsbuch, das die Schule als kleines Geschenk überreicht hatte, durchzublättern und über die 15 Geschichten die 15 Jahre der Audi Hungaria Deutschen Schule Revue passieren zu lassen.
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Der Banater Schwabe Dr. Franz Metz (geboren am 24. Dezember 1955 in Darowa, Rumänien) ist Organist, Musikwissenschaftler und Dirigent. Er forscht zur Musikgeschichte der entlang der Donau – insbesondere in Rumänien, Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien – lebenden Minderheiten. Sein Buch Josef Angster. Das Tagebuch eines Orgelbauers ist ein Werk von unschätzbarem Wert. Die Grundlage des Bandes bildet die handschriftlich, auf Ungarisch verfasste Autobiografie von Josef Angster, dem Gründer der weltberühmten Orgelbauwerkstatt in Fünfkirchen. Das Vorwort stammt von seinem Enkel, was dem Werk eine besonders authentische und persönliche Note verleiht und einen einfühlsamen Einblick in die Geschichte der Familie und der Werkstatt ermöglicht.
Josef Angster wurde 1834 im überwiegend von Deutschen und Kroaten bewohnten Dorf Katschfeld in der Batschka geboren. Die ersten Kapitel des Buches geben einen Einblick in seine Kindheit: Der Fokus liegt auf dem ländlichen Alltagsleben, der Familie, der Dorfgemeinschaft und den ersten Begegnungen mit dem Handwerk. Schon in jungen Jahren zeichnete er sich durch außergewöhnlichen Fleiß und Berufung aus: Zunächst wurde er Tischlerlehrling in Essegg/Osijek, anschließend begab er sich auf eine zehnjährige Wanderschaft durch Europa, auf der er bei den bedeutendsten Meistern lernte. In seinem Tagebuch beschreibt Angster, wie er seine schulische Ausbildung aus dem Dorf in Wien erweiterte, wie er seine Kenntnisse in Zeichnen und Geometrie vertiefte und später bei Meistern wie Titz, Uhlmann und dem weltberühmten Pariser Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll arbeitete.
Der Leser des ins Deutsche übersetzten Tagebuchs wird Zeuge, wie aus dem jungen Wanderschreiner allmählich einer der angesehensten Orgelbauer Europas wird. Nach seiner Rückkehr nach Fünfkirchen war sein erstes Werk eine Orgel für die dortige Synagoge – ein Instrument, das mit seinen technischen Erneuerungen und seinem Klang sofort große Anerkennung fand. Von da an entwickelte sich die Werkstatt rasant, und die Produkte der Fünfkirchener Fabrik wurden in der gesamten Monarchie und darüber hinaus bekannt.
Der besondere Wert des Tagebuchs liegt darin, dass es nicht nur Einblicke in die Kunst und Technik des Orgelbaus enthält, sondern auch familiäre Beziehungen und gesellschaftliche Veränderungen beleuchtet. Man lernt Angsters Söhne ebenfalls kennen, die in die Fußstapfen ihres Vaters traten und nach Studienaufenthalten im Ausland mit der Zeit die Leitung der Werkstatt übernahmen.
Franz Metz’ Buch ist weit mehr als nur die Veröffentlichung eines Tagebuches: Es ist ein würdiges Denkmal für einen außergewöhnlichen Menschen und eine einzigartige kunsthandwerkliche Tradition. Dieses Werk sei also Allen empfohlen, die sich für Musikgeschichte interessieren.
Franz Metz (bearbeitet und herausgegeben): Josef Angster. Das Tagebuch eines Orgelbauers München: Donauschwäbische Kulturstiftung, 2004 325 Seiten Sprache: Deutsch
Die empfohlenen Bücher sind in der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek – wenn nichts weiteres Angegeben – nur zur Leihe zugänglich.Weitere Informationen: info@bibliothek.hu Webseite: www.bibliothek.hu
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Das im Táncsics-Park in Paks aufgestellte Bierzelt war am 10. Mai voll mit begeisterten Gästen. Gefeiert wurde nämlich der 25. Nationalitätentag. Als Auftakt spielte die Blaskapelle Roger Schilling, und nach den Grußworten traten die örtlichen Kindergarten- und Schulkinder auf die Bühne. Des Weiteren konnte das Publikum ein stimmungsvolles musikalisches Programm genießen.
Noch vor dem Schwabenball am Abend wurde als Höhepunkt des Festes der Preis „Goldener Rosmarin”, die höchste Auszeichnung des hiesigen Deutschtums, übergeben. Als Anerkennung ihres Beitrags zur Pflege und Entwicklung der deutschen Nationalitätenkultur wurde damit dieses Jahr Brigitta Bock-Lisztmajer geehrt.
Brigitta Bock-Lisztmajerunterrichtet seit 20 Jahren Deutsch für Schüler der Unterstufe, die Deutsch als Nationalitätensprache lernen, derzeit an der Deák-Ferenc-Schule in Paks.
Brigitta Bock-Lisztmajer
Sie selbst stammt aus einer Jerkinger schwäbischen Familie, wo die Großeltern väterlicherseits im Alltag noch die Mundart sprachen. Dies bestimmte ihr Engagement für die deutsche Sprache und die ungarndeutschen Traditionen. Aus ihrer Sicht sind die deutsche Sprache und Kultur eine Grundvoraussetzung für den Erhalt und die Stärkung unserer Identität. Deshalb gestaltet sie den Unterricht so, dass dieser den Kindern Spaß macht. Spielerische Aktivitäten, Rollenspiele, Volkstanz, Gesang, Kochen nach schwäbischen Rezepten – all das gehört bei ihr dazu. Im dynamischen und fröhlichen Unterricht entwickelt sich bei ihren Schülern schon früh das Bedürfnis, ihre Meinung und Anregungen auf Deutsch zu äußern.
Frau Bock-Lisztmajer nimmt regelmäßig mit ihren Schülern an Veranstaltungen der Deutschen Selbstverwaltung von Paks teil. Mit Freude beteiligt sie sich zusammen mit den Kindern an der TrachtTag-Initiative, welche das Ziel hat, die ungarndeutsche Volkstracht im Alltag bekannter zu machen.
Durch kontinuierliche Weiter- und Selbstbildung versucht sie, ihr Erlebnisangebot für Kinder zu erweitern – sie organisiert Ausflüge in traditionsreiche Siedlungen und Theaterbesuche an der Deutschen Bühne Ungarn in Seksard.
Frau Bock-Lisztmajer unterrichtet nicht nur Deutsch, sondern stärkt auch das schwäbische Selbstbewusstsein und legt großen Wert darauf, dass die Traditionspflege über die Kinder in den Alltag der Familien erscheint.
Immer und überall – sei es in der Schule, bei Stadtveranstaltungen oder in den sozialen Medien – betont sie die Bedeutung der ungarndeutschen Identität und fördert die Weitergabe unserer Traditionen.
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VUK-Jugendleiterbildung in Tarian
In den letzten Tagen der Frühlingsferien organisierte der Verein für Ungarndeutsche Kinder (VUK) eine Jugendleiterbildung für Jugendliche, die sich für die Kultur und die Gemeinschaft der Ungarndeutschen interessieren.
Über die Behandlung von Kommunikationsschwierigkeiten
Das Programm dauerte von Freitagmittag bis Sonntagmittag und fand in Tarian/Tarján, im deutschen Nationalitätencamp, in Zusammenarbeit von zwölf Jugendlichen und drei Leitern statt. Worum ging es bei diesem Camp? In den drei Tagen erlebten wir eine beeindruckende Vielfalt an Themen. Im Mittelpunkt standen dabei Teamarbeit, gemeinsames Lernen, der Aufbau von Gemeinschaft sowie Spiel, Abenteuer, Tanz, Musik und zahlreiche fröhliche Momente.
Über Teamarbeit wurde viel gesprochen
Zudem hatten wir die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops teilzunehmen, Poster zu gestalten, den hiesigen ungarndeutschen Lehrpfad zu erkunden und das Heimatmuseum zu besuchen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf gemeinsamer Arbeit, Lernen und dem Austausch von Erfahrungen. All dies trug dazu bei, dass am Ende der Jugendleiterbildung eine echte VUK-Gemeinschaft entstanden ist.
Ich denke, dass sich alle Teilnehmer während des Wochenendes sehr wohlfühlten, neue Bekanntschaften schließen konnten und zahlreiche wertvolle Erfahrungen sowie Wissen sammelten, die sie später, bei der Betreuung von Feriencamps, gut nutzen können. Besonders die vielfältigen Workshops trugen hierzu maßgeblich bei, in dessen Rahmen unter anderem Themen wie Konfliktmanagement, verschiedene Spielarten, Projektleitung und Sprachförderung behandelt wurden.
Die VUK-Jugendleiter
Wir danken den Leitern Gábor Werner, Susanne Mescha und Katalin Ruff herzlich dafür, dass sie uns ein so abwechslungsreiches, produktives und erlebnisreiches Wochenende ermöglichten. Für die großzügige finanzielle Unterstützung bedanken wir uns beim Bundesministerium des Innern und für Heimat.
Auch deutsche Lieder wurden gelerntDas Gemeinschaftsspiel durfte auch nicht fehlen
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Am 21. Mai wurden im Bulgarischen Kulturhaus in Budapest die Preise Pro Cultura Minoritatum Hungariae 2025 feierlich übergeben. Die Auszeichnung, mit der die herausragende Tätigkeit im Dienste des Kulturerbes, der Bildung und Kultur der in Ungarn lebenden Nationalitäten anerkannt wird, übernahmen dieses Jahr insgesamt 13 Personen bzw. Organisationen vom Staatssekretär Miklós Soltész und stellvertretenden Staatssekretär Balázs Fürjes. Von den Ungarndeutschen erhielt Ildikó Winhardt den Preis.
Ildikó Winhardt stammt aus einer ungarndeutschen Familie und begann im Alter von 17 Jahren mit dem Volkstanz. Sie wurde Volkstanzlehrerin, und arbeitete anschließend als deutsche Nationalitätenpädagogin sowie als Tanzlehrerin. Sie ist immer noch als Kindertanzlehrerin und Choreografin aktiv. Sie ist Gründungsmitglied und stellvertretende Vorsitzende des Ungarndeutschen Kulturvereins Ujfluch, außerdem war sie Vorsitzende der örtlichen deutschen Selbstverwaltung.
Auf ihre Initiative hin wurde in der Gemeinde das Projekt „Straßenfest in der Nussbaumstraße” ins Leben gerufen, bei dem das deutsche Erbe des Ortes in einzelnen Höfen präsentiert wird. Sie initiierte die Gründung der ortsgeschichtlichen Sammlung zur Heimatgeschichte unter dem Namen „Tamás nádor Helytörténeti Gyűjtemény“. 20 Jahre lang sang sie im örtlichen Chor „Zenebarátok” (Musikfreunde) ungarndeutsche Volkslieder, viele davon hat sie selbst gesammelt. Sie war 17 Jahre lang Leiterin des Regionalbüros Nord der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sowie 4 Jahre lang Mitglied der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Pesth. Zudem ist sie externe Mitarbeiterin des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen. Sie organisiert traditionspflegende Tanzhäuser, Rezitationswettbewerbe und Tanzcamps.
Mittwoch, 4. Juni 2025 um 9.00 Uhr im Haus der Ungarndeutschen (Budapest VI., Lendvay u. 22)
Das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek (Zentrum) organisiert in Zusammenarbeit mit dem Stiftungslehrstuhl für deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen/Pécs und der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) mit der Unterstützung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) eine ganztägige Konferenz im Andenken an Otto Heinek. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden ihre Forschungsschwerpunkte aus den Bereichen Geschichte, Literatur, Linguistik und Volkskunde in vier Sektionen präsentieren.
Die Sprache der Konferenz ist Deutsch.
Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos, aber wir bitten um eine vorherige Anmeldung bis zum 3. Juni, 12 Uhr unter info@zentrum.hu.
PROGRAMM
ab 9:00 Registration
9:30 Begrüßung
Ibolya Hock-Englender (Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen)
Angelika Erdélyi-Pfiszterer (Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek)
Beáta Márkus (Stiftungslehrstuhl für deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Pécs)
Sektion 1 (Moderation: Zsolt Vitári, Universität Pécs)
10:00 Dóra Frey (Andrássy Universität Budapest): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Komitat Tolnau – Rechtsquellen und Verwaltungspraxis 10:20 Péter Schweininger (Eötvös-Loránd-Universität): Die Spuren des Verschweigens. Die Lage der Vertreibung der Ungarndeutschen in der ungarischen Geschichtsnarrative 10:40 Stefan Pleyer (Eötvös-Loránd-Universität): Die Deutschtumspolitik der Weimarer Republik im Spiegel der revisionistischen geheimen Ostpolitik 1919–1933 11:00 Diskussion
11:15 – 11:30 Kaffeepause
Sektion 2 (Moderation: Gábor Kerekes, Eötvös-Loránd-Universität)
11:30 Erika Hammer (Universität Pécs): Kulturelles Erbe und erfundene Traditionen. Kontinuität und Identitätsentwürfe in Mecseknádasd. Ergebnisse eines Forschungsprojektes 11:50 András F. Balogh (Eötvös-Loránd-Universität): Von Prikulkitsch bis Pelikan. Personennamen bei Herta Müller 12:10 Eszter Propszt (Universität Szeged): Metaphern in der literarischen Ausgestaltung ungarndeutscher Identitäten 12:30 Viktória Nagy (Eötvös-Loránd-Universität): Vergleich der Ergebnisse ausgewählter deutscher Nationalitätenschulen bezüglich der sprachlichen Kompetenzmessungen in Deutsch 12:50 Diskussion
13:00 – 14:00 Mittagspause
Sektion 3 (Moderation: Beáta Márkus, Universität Pécs)
14:00 Krisztina Kaltenecker (Eötvös-Loránd-Universität): Hochstapeln in Halle/Saale, Wien, Budapest und Frankfurt a. M. Irma Steinsch, das Doktorfräulein des ungarndeutschen Landvolkes 1933–1960 14:20 Tamás Egész (Universität Pécs): Ungarisch-deutsche Spannungen in Ödenburg im Jahr 1922 und ihre unterrichtliche Aufarbeitung 14:45 Márta Müller – Krisztina Gombkötő-Kemény – Ágnes Huber (Eötvös-Loránd-Universität – Universität Pécs): Wörter und Bilder: Die Entstehung des Wörterbuchs der Ungarndeutschen Mundarten (WUM) im digitalen Raum 15:15 Diskussion
15:30 – 15:45 Kaffeepause
Sektion 4 (Moderation: Erika Hammer, Universität Pécs)
15:45 Beáta Márkus (Universität Pécs): Ungarndeutsche SS-Soldaten vor Gericht. Aspekte zu einem Opfermythos 16:05 Gábor Kerekes (Eötvös-Loránd-Universität): Tabus in der ungarndeutschen Literatur 16:25 Alexandra Korom (Universität Szeged): Auf den Spuren einer vergessenen Sammlung 16:50 Diskussion
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Über 200 Schülerinnen und Schüler stellten ihr Können beim Landesfinale des Ungarndeutschen Rezitationswettbewerbs unter Beweis
Am 16. Mai fand das Landesfinale des 19. Ungarndeutschen Rezitationswettbewerbs am Budapester Campus der Apor-Vilmos-Hochschule statt. Nach den regionalen Vorentscheiden nahmen mehr als 200 Schüler aus 85 ungarndeutschen Grund- und Mittelschulen am Finale in Budapest teil. Während des Wettbewerbs traten insgesamt 215 Schüler der zwölf Jahrgänge vor die Jury, um ihre Sprach- und Präsentationskenntnisse zu messen, und zwar in insgesamt 6 Hochdeutsch- und 5 Mundartkategorien.
Das Ziel dieses Wettbewerbs ist neben der Talentförderung und der Traditionspflege, je Kategorie diejenigen Schüler zu finden, die deutsche Texte – Gedichte wie Prosa – am eindrucksvollsten vortragen können. Dies gilt sowohl für Hochdeutsch-Sprecher als auch für Sprecher der ungarndeutschen Mundarten.
Die Veranstaltung wurde von Ibolya Hock-Englender eröffnet. In ihrer Rede betonte die Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen die Bedeutung der Pflege und Weitergabe der deutschen Sprache sowie der ungarndeutschen Dialekte. Gleichzeitig bedankte sie sich beim Publikum: „Ich möchte den Eltern, Großeltern, Familienmitgliedern und Lehrern für ihre Unterstützung danken: Sie spielen eine große Rolle auch bei der Bewahrung unserer sprachlichen Werte. “
Ibolya Hock-Englender
Nach der Eröffnung zogen die Schüler in die ihnen zugewiesenen Klassenzimmer, wo die Vorträge und Bewertungen begannen. Neben moderner deutschsprachiger Lyrik und Prosa waren auch in diesem Jahr Werke zahlreicher ungarndeutscher Schriftsteller und Dichter gefragt. Die Teilnehmenden der Mundart-Kategorien trugen typischerweise lustige oder lehrreiche, überlieferte Dorfgeschichten oder eigene, im Dialekt verfasste, vom Alltag inspirierte Texte vor und erschienen in der Regel in ihren schönen Volkstrachten.
Die Jurykommissionen – bestehend aus Pädagogen, Bildungsfachleuten, Journalisten und sonstigen Experten aus dem In- und Ausland – begutachten die Darbietungen je nach Richtigkeit der Phonetik und Intonation, nach der inhaltlichen Angemessenheit des rezitierten Textes und nach Kohärenz und Flüssigkeit des Vortrages.
„Wir haben sehr anspruchsvolle Texte gehört, die Schüler waren gut vorbereitet. Meiner Meinung nach war das Niveau höher als im letzten Jahr“, meinte Ute Lambrecht, Jurymitglied für die Kategorie Hochdeutsch für die 7-8. Klassen. „Es ist ein gutes Zeichen für den Wettbewerb, wenn bestimmte Dinge von Jahr zu Jahr besser werden. Auch ungarndeutsche Werke waren vertreten, zum Beispiel von Erika Áts, Valeria Koch, Josef Michaelis und Christina Arnold, was mir Freude gemacht hat. Ich habe das Gefühl, dass die dort Sitzenden und Zuhörenden sehr viel für die Zukunft gelernt haben. Sie waren alle gut – und einige waren eben besser.“
Für diejenigen, die den Wettbewerb bereits beendet hatten, hat die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU) und der Verein für Ungarndeutsche Kinder (VUK) eine Bastelecke eingerichtet, die den Kindern großen Spaß machte.
Nach den Präsentationen und der Mittagspause folgte der Höhepunkt des Tages: die Preisverleihung, wobei die drei Erstplatzierten jeder Kategorie mit wertvollen Buchpreisen und Büchergutscheinen belohnt wurden. Weiterhin durften die Gewinner jeder Kategorie ihre Produktionen auch vor dem breiten Publikum präsentieren.
„Ich hatte eine tolle Zeit und habe im Laufe der Jahre viele Freunde gefunden. Das ist nämlich bereits das achte Mal, dass ich an diesem Wettbewerb teilnehme“, so Léna Kovács, Gewinnerin der Kategorie Mundart in der Altersgruppe der 9.–12. Klassen. „Mein Hauptziel war es immer, den Landesentscheid zu gewinnen, was ich endlich geschafft habe. Bei der Vorbereitung hat mir meine Deutschlehrerin sehr geholfen – bei der Aussprache, bei der Wahl der Kleidung, wie ich meine Haare flechten soll und wie man das Gedicht oder die Prosa richtig vorträgt. Dieses Jahr habe ich einen Text aus Tarian vorgetragen, weil ich dort wohne. Es handelt sich um eine örtliche Geschichte, die angeblich wirklich passiert ist – quasi eine Klatschgeschichte. Das Besondere an dem Text ist, dass er das typische Verhalten der alten Frauen darstellt, und das macht die ganze Geschichte lustig und spannend.“
Léna Kovács, Gewinnerin der Kategorie Mundart – Klasse 9-12Emma Koczor, Gewinnerin der Kategorie Mundart – Klasse 7-8Júlia Krein, Gewinnerin der Kategorie Mundart – Klasse 5-6Klaudia Ripszám, Gewinnerin der Kategorie Mundart – Klasse 3-4Lilla Gyarmati, Gewinnerin der Kategorie Mundart – Klasse 1-2Sára Porteleki, Gewinnerin der Kategorie Hochdeutsch – Klasse 1-2Ábris Édes, Gewinner der Kategorie Hochdeutsch – Klasse 3-4Andor Szabados, Gewinner der Kategorie Hochdeutsch – Klasse 5-6Alíz Kreisz, Gewinnerin der Kategorie Hochdeutsch – Klasse 7-8Mátyás Doloczki, Gewinner der Kategorie Hochdeutsch – Klasse 9-10Liliána Dukovits, Gewinnerin der Kategorie Hochdeutsch – Klasse 11-12
Der Ungarndeutsche Rezitationswettbewerb wurde von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter, das Goethe-Institut Budapest, der Katholischen Apor-Vilmos-Hochschule und das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek gefördert.
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Mit mehr als 200 Schülerinnen und Schülern aus 85 ungarndeutschen Grund- und Mittelschulen wurde am 16. Mai das Landesfinale des 19. Ungarndeutschen Rezitationswettbewerbs am Budapester Campus der Katholischen Apor-Vilmos-Hochschule veranstaltet.
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Die Aprilveranstaltung des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek (Zentrum) lud alle Interessierten zu einer besonderen literarischen Reise ein: Im Mittelpunkt standen das Leben und Werk zweier bedeutender rumäniendeutscher Autoren – Edith Ottschofski und Hellmut Seiler. Dank ihnen konnte auch der Bestand unserer Bibliothek um mehrere ihrer Werke erweitert werden – zwei von diesen möchten wir unseren Lesern nun vorstellen.
Edith Ottschofski wurde 1964 in Temeswar geboren, 1990 emigrierte sie nach Deutschland und lebt heute in Berlin. In ihren Gedichten tritt die Schwere des Daseins – Heimatverlust, familiäre Verluste – unausweichlich und schmerzhaft zutage. Dennoch schafft die Leichtigkeit ihrer Dichtung einen Ausgleich: Das Wechselspiel von Melancholie und sprachlichem Humor verleiht ihren Texten einen einzigartigen Rhythmus.
Ihr Gedichtband „im wohlklang unverhohlen“, illustriert mit Grafiken von Ilse Hehn, ist ein besonders gelungenes Beispiel für diese Dualität. Die schmerzliche Offenheit der Verse berührt zunächst tief, bevor sie eine melancholische Grundstimmung hervorruft. Das Buch eröffnet eine sehr persönliche, intime Welt: Kindheitserinnerungen, besondere Momente aus dem Leben, und die Hoffnung auf Neuanfang kehren immer wieder in den Gedichten zurück. Der Band ist in acht Kapitel gegliedert, die als thematische Einheiten fungieren. So thematisiert z. B. das Kapitel freimat die Verschmelzung der Begriffe Freiheit und Heimat und macht deren emotionale Verflechtung greifbar. Im Kapitel fernweh treten wiederum Momente des Naturerlebens in den Vordergrund, gefiltert durch die persönliche Perspektive der Autorin – diese Gedichte rufen mit scharfer Beobachtung die Sehnsucht nach Ferne und ihre Beziehung zur Welt hervor. „Im Moment der Lektüre findet der Leser in der Melancholie der Verse für die Unbehaustheit der eigenen Gefühle eine Heimat.“, meint Brigitte Heyman, Professorin am Institut für Romanistik der Humboldt-Universität zu Berlin, über den Gedichtband.
Hellmut Seiler wurde in Reps geboren und studierte Germanistik und Anglistik. In seinem Leben musste er sich mehrfach mit Zensur auseinandersetzen: Zwischen 1985 und 1988 hatte er in Rumänien Schreib- und Veröffentlichungsverbot. Seit 1988 lebt er in Deutschland, wo er ein vielfältiges literarisches Werk geschaffen hat. Neben seiner Lyrik sind auch seine Aphorismen, Glossen und Übersetzungen von großer Bedeutung – seine Gedichte wurden unter anderem ins Ungarische, Griechische, Französische und Tschechische übersetzt. Seine Arbeiten wurden mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Seilers Texte sind geprägt durch Gesellschaftskritik, Sarkasmus, feinen Humor und die Inspiration durch Alltagserfahrungen. Gleichzeitig zeichnet sich seine Dichtung durch eine persönliche, emotionale Tiefe aus – sie erinnert daran, dass das Verstehen der Vergangenheit unerlässlich für das Erleben der Gegenwart ist.
Sein Gedichtband Aufhebung der Schwerkraft verweist nicht nur mit dem Titel, sondern auch inhaltlich auf die befreiende Kraft der Literatur. Die Illustrationen stammen aus Éva Seiler-Iszlais Sammlung Variationen zum Thema Schwerelosigkeit und ergänzen die vermittelten Gedanken auf visuell eindrucksvolle Weise. Einige der Gedichte führen die Leser zurück in den sozialistischen Alltag, zeichnen ein authentisches Bild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse und der Rolle des Einzelnen. In den längeren, erzählerischen Gedichten rücken Geschichte und Erinnerung ins Zentrum – wie etwa im Gedicht Mein Großvater III, das das Leben des Großvaters des Autors sowie ihre enge, wenn auch kurze Beziehung schildert.
Beiden Autoren sind die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und die Rückbesinnung auf die Vergangenheit gemeinsam. Dennoch nähern sie sich der Welt mit unterschiedlichen Tonarten und literarischen Mitteln. Ihre Gedichtbände empfehlen wir allen, die ihren Blick auf die Literatur der deutschen Minderheiten erweitern möchten.
Edith Ottschofski: im wohlklang unverhohlen – Gedichte, Mit bildnerischen Arbeiten von Ilse Hehn („leplezetlen hangzásban” – Versek, Ilse Hehn grafikájával) Ludwigsburg: Pop, 2018 108 oldal Nyelv: német
Hellmut Seiler: Aufhebung der Schwerkraft („A gravitáció feloldása”) Berlin: Edition Noack & Block in der Frank & Timme GmbH, 2023 141 oldal Nyelv: német
Die empfohlenen Bücher sind in der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek – wenn nichts weiteres Angegeben – nur zur Leihe zugänglich.Weitere Informationen: info@bibliothek.hu Webseite: www.bibliothek.hu
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Offene Debatte im Haus der Ungarndeutschen
Wie erreicht man mehr Leserinnen und Leser, wenn man in einer Minderheitensprache schreibt? Diese Frage stand am 7. Mai im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek (Zentrum) im Haus der Ungarndeutschen in Budapest. Thema waren „die ungarndeutschen Schreibgeheimnisse“: Was ist die Sprache der ungarndeutschen Literatur? Es trafen sich die Literaturwissenschaftler Dr. Eszter Propszt (Universität Szegedin) und Dr. Gábor Kerekes (ELTE Budapest) sowie der Autor Robert Becker, um in einer von Dr. Judit Klein moderierten öffentlichen Debatte zu diskutieren, wie man die ungarndeutsche Literatur einem breiteren Publikum näherbringen kann. Dabei wurden auch die anwesenden Zuhörer einbezogen und konnten ihre eigenen Meinungen einbringen.
Im Veranstaltungssaal des Hauses der Ungarndeutschen
Braucht man mehr literarische Texte, um auch die Kultur besser zu verstehen? Dies meinte jedenfalls Dr. Gábor Kerekes. Auch wenn das schwer umzusetzen ist, da die finanziellen Mittel oft nicht ausreichen, um in größeren Auflagen publizieren zu können, und weil man nicht wisse, wie groß das Interesse dafür sei, warf Robert Becker ein. Für eine Gemeinschaft ist es wichtig, sich in den Texten wiederzuerkennen. Dies funktioniert durch vertraute Themen, mit denen sich die Leser identifizieren können, fügte Dr. Eszter Propszt hinzu. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man eine größere Zielgruppe ansprechen möchte.
Gesprächsrunde über die ungarndeutsche LiteraturDr. Eszter Propszt, Dr. Gábor Kerekes, Robert Becker und Dr. Judit KleinKann ungarndeutsche Literatur in ungarischer Sprache entstehen?Braucht man mehr literarische Texte, um auch die Kultur besser zu verstehen?
Ein großes Thema war, ob ungarndeutsche Literatur in ungarischer Sprache entstehen kann. Frau Propszt hob hervor, dass insbesondere auch Gemeinschaften der Deutschen in Ungarn, die sich bereits von ihrer deutschen Muttersprache losgelöst haben, die in der ungarischen Sprache verfassten literarischen Angebote begrüßen und gerne konsumieren, so sei die thematische Annäherung an die Familien- und Zeitgeschichte der Deutschen in Ungarn in ungarischer Sprache als Teil der ungarndeutschen Literatur anzusehen. Auch sind diese Autoren bestrebt, ihre Texte ins Deutsche übertragen zu lassen, was doch ihren Bezug signalisiert. Gábor Kerekes vertrat die Meinung, dass die Sprache der ungarndeutschen Literatur Hochdeutsch sei.
N. J./Neue Zeitung
Foto: Ludwig Grund/zentrum
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Organisator: Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek
Förderer der Veranstaltung: Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen Ministerpräsidium über den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter (NKUL-KP-1-2025/3-000466)